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Drehleier-Orchester

„In der Drehleier scheint ein ganzes Orchester zu stecken“. Dieser Eindruck entsteht durch das umfangreiche Klangvolumen der Drehleier. Das Instrument gehört zur Familie der Saiteninstrumente. Die Saiten werden jedoch nicht mit den Fingern, sondern über eine Holztastatur gegriffen und von einem Holzrad gestrichen, das der Spieler mittels einer Handkurbel dreht. Neben den beiden Melodiesaiten klingen vier Bordunsaiten mit. Diese erzeugen einen ständigen Orgelton, der den Klang der Melodiesaiten begleitet. Durch gezielte Schläge auf die Kurbel kann der Spieler außerdem die Schnarrsaite in Schwingung versetzen und so zusätzlich rhythmische Akzente setzen.
Die Geschichte der Drehleier ist über 1000 Jahre alt. Das Instrument ist in ganz Europa – vom Norden Skandinaviens bis in den Süden Italiens – geläufig. Vorläufer der Drehleier war das Organistrum – eine große Drehleier, die nur von zwei Spielern gleichzeitig gespielt werden konnte: Ein Spieler drehte die Kurbel, während der andere die Klaviatur bediente. Das Organistrum wurde als Kircheninstrument eingesetzt – und diente als Vorgänger der Kirchenorgel. Später wurde das Instrument kompakter, so dass nur noch ein Spieler benötigt wurde. Im Mittelalter wurde die Drehleier vor allem von fahrenden Spielmannsleuten genutzt, sie wurde bei Festen zum Tanz gespielt, kam aber auch bei Wallfahrten und Prozessionen zum Einsatz. Während sie in dieser Zeit als Volksliedinstrument vor allem ein Instrument der unteren Bevölkerungsschicht war, erlebte die Drehleier im Laufe des 17. Jahrhunderts einen sozialen Aufstieg. Im Zuge der Vorliebe des Adels für das Landleben und die Schäferidylle wurde die Drehleier hoffähig und sogar als Orchesterinstrument eingesetzt. Unter anderem schrieben Josef Haydn, Antonio Vivaldi und Leopold Mozart Werke für Drehleier und Orchester. Im 19. Jahrhundert trat sie oft im Ensemble mit Dudelsack und Akkordeon auf.
Die gegenwärtige Tendenz, alte Instrumente wiederaufleben zu lassen, führte auch zu einer Wiederentdeckung der Drehleier. Ausgehend insbesondere von Frankreich, wo regelmäßig große internationale Drehleier- und Dudelsacktreffen stattfinden, nahm diese Entwicklung in den 1970er Jahren ihren Anfang. Seitdem finden sich Liebhaber der Drehleier zu verschiedenen Ensembles bis hin zu reinen Drehleier-Orchestern zusammen. [D.P.]
