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Gamelan Gong Kebyar

Bali, Indonesien
Bali – Insel der Götter und Dämonen, die Insel mit ihren Reisfeldern, terrassierten Hügeln, mächtigen Vulkanen, die Insel der Orchester: In großem Maße sind die Musikkulturen der Balinesen instrumental und orchestral ausgerichtet. Die durch den Hinduismus geprägte Vielfalt der Anlässe, zu denen musiziert wird, die starken Regionalisierungstendenzen musikalischer Überlieferungen in der Geschichte und nicht zuletzt die gesellschaftliche Umbruchsituation zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben das Entstehen separater Ensembletypen begünstigt.
Der große fünftönige, in Nordbali aufgekommene, schließlich über ganz Bali verbreitete Gamelan Gong Kebyar mit seinen rund 25 Instrumenten ist ein nach 1900/1915 entstandenes Orchester. Die Musik ist rituell und mythologisch relativ ungebunden, sie ist am ehesten in westlichem Sinne als komponiert zu charakterisieren. In ihr sind vielfältige Elemente anderer Gamelan-Typen zusammengewachsen und seit den 1950er Jahren auch bewusst Einflüsse der westlichen Unterhaltungsmusik zur Geltung gebracht.
Typisch für kebyar-Kompositionen sind die Einleitung mit ihren explosiven Unisono-Attacken, verschiedene nicht metrisierte Passagen, eine virtuos ineinander verzahnte Melodiegestaltung (kotekan) in extremer Schnelligkeit und grundsätzlich eine große Spannweite dynamischer und agogischer Kontraste. Die Szene des ständigen „Kommens“ und „Vergehens“ neuer Kompositionen (kreasi baru, „Neuschöpfungen“) wird heute teilweise von den staatlichen Musikschulen beherrscht, wo die talentiertesten Komponisten tätig sind. Gamelan Gong Kebyar spielt selbständige instrumentale Musik und Festmusik und begleitet balinesisches Tanztheater – baris-Tanz, kebyar-Tanz und topeng (Masken)-Schauspiel.
Das reichhaltige Instrumentarium wird beherrscht von der großen Zahl von Metallophonen, gangsa gantung (hängende Bronzeplatten), Instrumenten, die, paarweise eingesetzt und leicht differenziert aufeinander abgestimmt, die Kernmelodie der Komposition interpretieren und umspielen. Anführer der gangsa-Gruppe und Orchesterleiter ist der Spieler des tiefer gestimmten gangsa pangugal, jedoch nur, wenn kein Tanztheater begleitet wird. Im Falle der Tanzbegleitung sind die beiden Trommler (kendang wadon und lanang) Orchesterleiter, in selbstständigen Orchesterstücken bilden sie eine eigene Rhythmusgruppe. Hinzu kommen großer gong wadon und lanang, die kleineren Gongs kempur und kemong als interpunktierende und Abschnitte markierende Instrumente, die kleinen Buckelgongs kempli und kajar als Pulsgeber, die kleinen Becken ceng-ceng sowie die einreihigen Gongspiele reyong und (für bestimmte musikalische Fälle) trompong als Hauptmelodie-Instrumente.
Ein Teil des Instrumentariums vom Gong Kebyar lässt sich abzweigen und verwenden für das Prozessions-Gamelan Beleganjur, ein tragbares Orchester, mitgeführt und gespielt auf Bali bei religiösen Zeremonien (Verbrennungsfeierlichkeiten, Neujahrsfesten) und weltlichen Anlässen wie Drachenfestivals oder einfach zur kreativen Darstellung, Freude und Freizeitbeschäftigung. Zum laufenden Einsatz kommen die gong wadon und lanang als Fundament des Beleganjur sowie kempur und gong bende (mit eingelassenem Buckel, mit Holzschlägel angeschlagen). Das zentrale Instrument („Metronom“, Beatkeeper) ist der Buckelgong kajar, unterstützt vom Buckelgong kempli. Die Gongspielgruppen ponggang und reyong spielen eine Art Basismelodie, die von mehreren Becken ceng-ceng mit dichter Schlagfolge untermalt wird. Die führenden Instrumente sind die Trommeln kendang wadon (tief) und lanang (hoch), sie starten und beenden die Prozession. In ihrer musikalischen Ausrichtung sind Gamelan Gong Kebyar und Gamelan Beleganjur sehr ähnlich. [A.L.]
