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Gamelan Orchester

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Gamelan Orchester

Gamelangruppe Arum Sih, Foto: Gabriele Warnke

 Java, Indonesien

Gamelan (von gamel = „Hammer“, „Schlagen“, auch „Klang“, „Orchester“) erklingt in Indonesien vor allem auf den Inseln Java, Madura und Bali. Früher besaßen jedes Dorf und jeder Fürsten- und Königshof ein eigenes Orchester. Aber auch heute noch spielt diese Art von Musik eine bedeutende Rolle im Leben der Bewohner dieser Inseln: bei Festen oder gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Zusammenkünften. Auch im Radio und Fernsehen ist täglich Gamelan zu hören. Und Gamelan hat sich auch in den „Westen“ ausgebreitet, in Nordamerika und Europa gibt es zahlreiche Orchester und Musiker.

Auf Java dient Gamelan vor allem als Begleitmusik zu bestimmten Handlungen und Abläufen, z.B. bei der Begrüßung und Verabschiedung von Gästen, zu Theateraufführungen (wayang) wie Schatten- und Puppenspiel (wayang kulit und wayang golek) sowie zu Tanzdarbietungen. Die Musik unterstreicht die Gemütszustände, in denen die Figuren nach der Beschreibung des Puppenspielers (dalang) verkehren, und macht die Beweggründe ihrer Handlungen deutlich. Viele Figuren und Szenen des Spiels haben untrennbare Beziehungen zu bestimmten Gamelan-Melodien; an der Melodie erkennt der Zuschauer auf Java bereits die Figur und das folgende Ereignis.

Die einzelnen Instrumente bzw. Instrumentengruppen des javanischen Gamelan haben während der Realisierung einer Gamelan-Komposition (gending) unterschiedliche Funktionen zu erfüllen. Es gibt eine Haupt- oder Kernmelodie, die Komposition, die von den saron (Metallophone unterschiedlicher Größe und Tonhöhe) und slentem (tief gestimmtes Metallophon mit aufgehängten Platten) gespielt wird. Die formale Struktur einer Komposition wird bestimmt von den gong, kempul (kleine, hängende Gongs), kenong, ketuk und kempyang (allesamt liegende „Metallbecken“ unterschiedlicher Größe). Die Instrumente bonang („Gongspiele“ auf einem Holzgestell), gambang (Xylophon), gender (Metallophon mit aufgehängten Metallplatten) und siter (Kastenzither) umspielen und verzieren die Melodielinie. Für die rhythmische Kontinuität, für Anfang und Ende sowie Temposteigerungen und -verminderungen sorgen die Trommeln kendang – der kendang-Spieler ist gleichzeitig Leiter des Gamelan. Eine Art Gegenmelodie oder zweite Melodieebene können die Bambusflöte suling, die Spießgeige rebab und der Gesang (Männer- und Frauenstimmen) übernehmen.

Im javanischen Gamelan sind zwei äußere Stimmungen maßgeblich: zum einen slendro-Instrumente, d.h. Instrumente in fünftöniger (pentatonischer) Skala, wobei die Abstände zwischen den einzelnen Tönen nahezu gleich sind; zum anderen pelog-Instrumente in siebentöniger Skala, mit ungleich großen Abständen zwischen den einzelnen Tönen, wobei in der Regel nur fünf Töne verwendet werden, so dass die pelog-Leiter letztlich auch als pentatonische, nicht aber gleichstufige Skala zu hören ist. Das Material der Gongs und Metallophone ist Bronze, gelegentlich Eisen. [A.L.]