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Horn-/Trompeten-Orchester
Westafrika (Elfenbeinküste, Kamerun), Sudan
Die am weitesten verbreitete, beliebeste und erfolgreichste Orchestrierung auf dem afrikanischen Kontinent liegt in der Verbindung von Melodie- und Percussion-Instrumenten.
Melodie-Instrumente können einer Instrumentengruppe zugehören: zum Beispiel Harfen, Lauten, Xylophone, sansas (mbiras), Flöten, Trompeten, Hörner. Eine gegenseitige Durchdringung oder Mischung ist jedoch die Regel. Unbedingt erforderlich sind Percussion-Instrumente wie Fell- oder Schlitztrommeln, Rasseln, Klappern oder „Glocken“. Der Zusammenschluss mit Percussion macht im Falle der in Westafrika anzutreffenden Horn- und Trompeten-Orchester großen Sinn, weil sie der reinen Bläsermelodik eine rhythmische Struktur gibt. Zudem werden Horn- und Trompeten-Orchester zu Ehren von Persönlichkeiten, Politikern, Provinzfürsten eingesetzt, die sich solcher Ankündigungs-Orchester bedienen, um ihren Worten und Taten ein zusätzliches Gewicht zu verleihen.
Trompeten und Hörner sind Statussymbole der Herrschaft und der traditionellen politischen Präsentation, sichtbar wie musikalisch und akustisch hörbar, vom höchsten Herrscherrang bis herunter zu den lokalen, dörflichen Chiefs. Die Musikinstrumente gehören diesen Personen. Neben der Einsetzung eines Chiefs wird die Bläser-/Percussion-Musik auch zu allgemeinen Anlässen eines Dorfes oder bestimmter Gruppierungen gespielt, bei zahlreichen größeren Festivitäten oder auch Familienfesten.
Die endgeblasenen Trompeten sind aus Holz oder Metall gefertigt und zumeist aus mehreren Teilen teleskopartig zusammengesetzt. Hörner sind vor allem aus Elfenbein oder Antilopenhorn und stellen allein vom Material her Statussymbole und Reichtum dar, sie werden grundsätzlich über eine seitlich angebrachte Öffnung angeblasen.
Trompeten-?/?Horn-Orchester bestehen aus sechs und mehr Musikern, zwanzig Ensemble-Mitglieder sind durchaus anzutreffen. Unterschiedliche Größen und damit Register sind vertreten, auf jedem Horn werden ein oder zwei Töne erzeugt. Die Melodie ergibt sich durch abwechselndes Anblasen der Instrumente, also ein „Interlocking“-Musizieren, eine komplementäre Spielweise: die Verteilung der Melodietöne auf mehrere Stimmen (hoch, mittel, tief, ganz tief). Der Leiter des Ensembles ist in der Regel der Musiker mit dem größten, tiefsten und wertvollsten Instrument. Der tiefste Ton gibt Struktur und Macht, zugleich reguliert er Anfang und Ende sowie die Übergänge in lebhaftere bzw. zurückgenommene Abschnitte. Ihm zur Seite steht die Percussion-Gruppe als musikalisch gleichgewichtige und treibende Kraft. [A.L.]

