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Hsaing Waing

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Hsaing Waing

Hsaing Waing Orchester, Schlaginstrument, Foto: Gabriele Warnke

Burma (Myanmar)

Das heutige offizielle Musikleben Burmas (Myanmars) ist immer noch geprägt von der Bedeutung und Austrahlung des letzten politischen und kulturellen Zentrums des Landes, Mandalay. Im 19. Jahrhundert, bereits unter englischer Kolonialherrschaft, konnten am Könighof von Mandalay Künstler, Musiker und Dichter ungestört arbeiten. Die klassischen burmesischen Künste leben bis heute fort, über Kolonial- und Weltkriegszeiten, über die gewonnene Unabhängigkeit 1948 hinaus bis in die unsichere und bedrückende Gegenwart.

Neben kammermusikalisch besetzten Ensembles gibt es in der klassischen Musik Burmas ein geradezu extrovertiertes, funkelnd und schimmernd, gar schrill klingendes Instrumentarium, Hsaing Waing genannt, hsaing = herabhängen – waing = Kreis, das draußen bei öffentlichen Anlässen (Prozessionen, religiösen Opferhandlungen) bespielt wird.

Das Orchester Hsaing Waing besteht folglich auch aus einer großen Anzahl sogenannter „laut-klingender“, weithin hörbarer Instrumente. Hauptinstrument und Namensgeber ist das kreisförmige Trommelspiel pat-waing (pat = Trommel): 21 doppelfellige, unterschiedlich große Trommeln, die nach Größe und Tonhöhe in einem runden Holzgestell angeordnet sind und von einem Spieler mit den Fingern virtuos angeschlagen werden. Der Spieler ist zugleich auch Orchesterleiter und bestimmt Anfang und Ende sowie Tempoveränderungen innerhalb einer Komposition.

Ihm zur Seite sitzen zwei Gongspieler: der eine schlägt mit zwei Hämmern 18 – 21, ebenfalls in einem kreisförmigen Holzgestell angeordnete Buckelgongs (Gongspiel kyi-waing, kyi = Messing). Der andere schlägt 18 – 23 tiefer gestimmte und weicher klingende, in hölzernen Rahmen hängende Gongs (Gongspiel maung-zaing, maung = Gong, zaing = aufhängen). Neben diesen Melodie spielenden Schlaginstrumenten gibt es 1 – 2 Oboespieler, die in einer höheren Lage der Melodielinie folgen (Oboen hnai). Während bestimmter Improvisationsphasen greift der Oboist auch Trommelmotive auf und entwickelt im Zusammenspiel mit dem Trommler eine eigene Melodieebene.

Hinzu kommen noch zwei große Faßtrommeln (pat-ma und sa-hkun) und ein Trommel-Set von sechs in einer Reihe aufgestellten Doppelfelltrommeln (chauk-lon-bat, chauk = sechs, lon = Zähleinheitswort, bat wie pat = Trommel). Interpunktierende, Abschnitte markierende und gliedernde Instrumente sorgen für den formalen Zusammenhalt der Kompositionen und strukturieren die Zeit: Bambusschlitztrommel, Klapper, Becken und Gong.

Für die Zeit des 19. Jahrhunderts (Kon-baung-Zeit 1752 – 1885) galt: Je aufwändiger ein Instrumentarium mit Gold und Edelsteinen verziert war, umso höher und heiliger war das Orchester eingestuft. Das Diamant-Orchester war das beste und prachtvollste Orchester des ganzen Landes. Dem Thronfolger stand ein Smaragd-Orchester zu, Minister und höchste Würdenträger verfügten über ein mit Rubinen und roten Gläsern verziertes Rubin-Hsaing. Mit Gold und Silber verzierte Ensembles dienten für Aufführungen von Hofdramen, Puppentheater und Zeremonien im Palastbezirk. In den Städten und Dörfern erklangen einfache Hsaing Waing, die mit rotem Lack und gelber Farbe bemalt waren. Mit der Abschaffung der Monarchie in Burma 1885 konnte man auch außerhalb der Palastmauern alle Orchester erleben. [A.L.]