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Pi Phat Mon Orchester

Thailand
In Thailand und in den Nachbarländern Laos und Kampuchea bilden Instrumentalensembles einen wichtigen Bestandteil öffentlicher Zeremonien. Das zentrale Orchester Thailands heißt Pi Phat – pi (Oboe), phat (Instrumentalmusik). Pi Phat Orchester begleiten vor allem Tanzdramen (Maskentanz-Theater khon und Tanztheater ohne Masken lakon), Schattenspiel (nang yai) sowie religiöse Rituale und Hofzeremonien. Im Tanzdrama haben die gespielten Kompositionen leitmotivische Funktion und begleiten musikalisch bestimmte Handlungen, Verhaltensweisen und Gefühle wie Schlaf, Kampf, Zorn, Liebe. Für die Figuren bzw. Wesen – Riesen, Dämonen, menschliche und göttliche Helden (beliebtestes Beispiel: Rama) – gibt es etliche treffende, allgemein bekannte Melodien.
Das Pi Phat Mon Ensemble, das von einer der Frauen Ramas IV. (Regierungszeit 1854 – 1868) mit Mon-Vorfahren zu Bestattungsriten am Hofe eingeführt worden war, und heute allgemein bei Totenfeiern erklingt, wird meist in der Besetzung des relativ kleinen Pi Phat Khruang Khu (Pi Phat mit Instrumentenpaaren) engagiert.
Die Orchesterbesetzungen und die musikalischen Aufgabenbereiche der Instrumente bzw. Instrumentengruppen innerhalb der Pi Phat Orchester sind starken Wandlungen unterworfen und haben sich immer wieder auf das zu begleitende Geschehen einzustellen. Das ist auch der Grund für die enorme Vielfalt der Pi Phat Orchester in Thailand. Als eine Art „Standard“-Besetzung der Piphat Orchester kann folgende festgehalten und beschrieben werden: 1 – 2 Oboen, Xylophone, Metallophone, Gongspiele, Felltrommeln, Beckenpaare und Gong. Zugrunde liegt dem Instrumentarium eine siebentönige Skala, wobei die Abstände zwischen den einzelnen Tönen gleichmäßig sind.
Ein wesentliches Merkmal der thailändischen Orchestrierung ist die Vermeidung von Instrumenten-Verdoppelungen. Jedes Orchester-Instrument stellt ein Individuum dar und bleibt klanglich präsent. Die Instrumente sollen zwar aufeinander eingehen, aber sich nicht klanglich miteinander mischen. Der Musiker und sein Instrument stehen im Vordergrund, die Gruppe, das Orchester, bleibt trotzdem erhalten. Gruppendynamik und individuelle Ausdruckskraft sind gleichsam in Einklang gebracht. [A.L.]
Die Instrumente des Pi Phat Orchesters
- 1 – 2 pi, gebauchte Oboen mit Vierfachrohrblatt, die dem Ensemble den Namen gegeben haben. In den Begleitorchestern zum Schattenspiel, Tanztheater mit oder ohne Masken fungieren die Oboen als Leiter des Ensembles, sie spielen eine eigene Melodielinie.
- Zwei Xylophone: ranat ek (höheres Register), mit 21 Holzplatten über bootförmigem Resonanzkasten, und ranat thum (tieferes Register), mit 17 Tasten über angenähert rechteckigem Resonanzkasten. Das höhere Xylophon trägt die Kernmelodie vor, das tiefere variiert und umspielt die Kernmelodie und hat die musikalische Leitung des Ensembles.
- Zwei Metallophone: ranat ek lek (= eisernes ranat ek) und ranat thum lek (= eisernes ranat thum), mit gleichen Plattenzahlen wie die Xylophone umspielen sie beide die Kernmelodie.
- Zwei Gongspiele mit gebuckelten, topfförmigen Gongs, auf einem kreisförmigen Holzgestell in horizontaler Lage, von einem im Kreiszentrum sitzenden Spieler geschlagen: khong wong yai mit 16 Buckelgongs und analog im höheren Register khong wong lek mit 18 Buckelgongs. Beide Instrumente tragen die Kernmelodie vor. Im Pi Phat Mon Orchester sind statt der kreisförmigen Gongspiele analog die in einem u-förmig gebogenen Gestell mit prachtvollen Vogelmenschen-Verzierungen eingelegten Gongspiele khong mon yai und khong mon lek eingesetzt.
- 6 – 7 in einem halbkreisförmigen Gestell aufgehängte Felltrommeln mit Stimmfleck, Melodie-Instrument: poeng mang khok.
- Die Fasstrommel taphon mon mit zwei verschieden großen Fellen ruht auf einem Untergestell und wird mit beiden Händen geschlagen. Sie ist das primäre Rhythmus-Instrument, an dessen ausgestalteten und kunstvollen Grundmustern (Pattern) sich alle Instrumente orientieren. Der taphon-Spieler ist der spirituelle Leiter des Ensembles.
- Das Fasstrommelpaar klong that, mit aufgenagelten Trommelfellen, markiert den Rhythmus.
- Diverse Beckenpaare – dickwandige Handzimbel ching und dünnwandiges Becken chap lek – und der mittelgroße, flache Gong khong mong bestimmen das Tempo bzw. markieren Phrasen unterschiedlicher Länge und geben den Kompositionen einen formalen Rahmen.

