Menü:
Pfad:Orchesterwelten - Weltorchester -

Renaissance Ensemble

Seiteninhalt:

Renaissance Ensemble

Während im Mittelalter in Europa vokale oder gemischt vokal-instrumentale Musik vorherrschte, entwickelte sich im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts zunehmend Musik für instrumentales Ensemble. In dieser Zeit entstand sowohl Ensemblemusik für Instrumente einer Familie, wie Musik für Blockflötenensemble, als auch Musik für gemischte Ensembles z.B. bestehend aus Lyra, Harfe, Spinett, Laute, Zink und Flöte. Bei der Musik bei Hofe unterschied man zwischen laut tönenden Ensembles und leise tönenden. Erstere – die alta musica oder alta capella – bestanden in der Regel aus Schalmei, Zugtrompete und Tenor- oder Bass-Pommer. Hinzu kamen mitunter Posaune, Sackpfeife und Schlagwerk. Die leiseren Ensembles setzten sich aus Instrumenten wie Fidel, Laute, Blockflöte, Harfe oder Portativ zusammen.

In der Renaissance kam vor allem im Adel und Bürgertum das gemeinsame Musizieren in Mode. Insbesondere der 1502 erfundene Notendruck machte diese Entwicklung möglich. Dabei war die gespielte mehrstimmige Instrumentalmusik weniger für den passiven Zuhörer bestimmt, als zum aktiven Musizieren vorgesehen. Die Instrumentalisten saßen im Kreis, mitunter um ein einziges Notenblatt herum, auf dem die Stimmen ringsum so angeordnet waren, dass ein Ensemble von bis zu zwölf Musikern daraus spielen konnte.

Im professionellen Bereich war improvisatorisches Spiel üblich. Auf der Grundlage der akkordischen Substanz des Satzes schmückte der Musiker die Melodie aus und gab dabei seiner persönlichen Fantasie Raum. Noten waren lediglich eine Handreichung von Profis für Liebhaber aus adligen und bürgerlichen Kreisen. Beliebt bei der instrumentalen Ensemblemusik war vor allem Tanzmusik. Bei Hofe, in den Städten und auf dem Land tanzte man zur eigenen Freude, zur Unterhaltung der Zuschauer oder zur Körperertüchtigung. Neben der Musik zum Tanz entwickelte sich auch eine tänzerische Kammermusik als reine Vortragsmusik. Traditionelle Volksmusik bildete die melodische Grundlage für die Kompositionen. Mehrere Musiker im Ensemble verstanden es auf Grundlage von individuell komponierten Tanzweisen gleichzeitig dazu zu improvisieren.

Seit den 1970er Jahren wird insbesondere die Tanzmusik der Renaissance wieder entdeckt. Besonders reizvoll für das Publikum ist das größere Klangfarbenspektrum des Instrumentariums, das sich im Vergleich zu den standardisierten Instrumenten des Sinfonieorchesters durch eine große Instrumentenvielfalt auszeichnet. Bezüglich Instrumentierung und Verteilung der Stimmen auf die Instrumente haben die Interpreten Entscheidungsfreiheit; denn auch in der Renaissance wechselten die Besetzungen je nach Situation. In vielen Städten bilden sich seitdem Ensembles, die diese sogenannte „Alte Musik“ wieder pflegen: das Berliner Ensemble für Alte Musik, The Early Music Consort of London und viele andere. [D.P.]