Seiteninhalt:
Steelpan-Orchester

Trinidad, Karibik
Bearbeitete Ölfässer bilden die Grundlage für die Musikinstrumente der Steelpan-Orchester oder auch Steelbands. Diese Orchesterform hat ihren Ursprung in den 1940er Jahren in den Armenvierteln der westindischen Insel Trinidad. Die Bevölkerung suchte nach günstigen Möglichkeiten, sich musikalisch am Karneval zu beteiligen. Da die britische Kolonialregierung Ende des 19. Jahrhunderts das Spielen von Trommeln verboten hatte, nutzte man zunächst Töpfe, Keksdosen oder Mülltonnendeckel, später alte Ölfässer als Trommelersatz. Das Trommeln auf diesen Fässern führte zu der Entdeckung, dass verschieden tiefe Einbeulungen auf der stählernen Oberfläche unterschiedliche Töne erzeugen. Durch die stetige Weiterentwicklung dieses Prinzips wurde ein neues Musikinstrument geboren: Die Steelpan. Der ebenfalls verwendete Begriff Steeldrum ist irreführend, denn mehr als einer Trommel ähnelt sie einem Gong. Durch gezieltes Aushämmern und Abklopfen von genau platzierten Dellen in die abgetrennten Ober- und Unterseiten der Stahlfässer wird jede Delle sorgfältig gestimmt und ermöglicht die Erzeugung eines bestimmten Tons. Jedes Tonfeld schwingt nach dem Anschlagen für sich wie ein kleiner Gong. Mit den so entstandenen Klangfeldern können vielgestaltige Melodien und Harmonien gespielt werden.
Das Steelpan-Orchester besteht aus einer beliebigen Zahl von Musikern – nicht selten sind es 40 bis 100 – deren Hauptinstrument Steel-Drums sind. Diese sind in ihren vier Hauptformen – Ping-pong (Sopran), Guitar pan (Alt), Cello pan (Tenor) und Boom (Bass) – unterschiedlich stark vertreten. Während das Boom nur einen Umfang von zwei bis fünf Tönen hat, können auf der melodieführenden Ping Pong bis zu 32 Töne gespielt werden. Eine Reihe weiterer Percussioninstrumente, wie Rasseln, Schlagstäbe und Glocken sorgen für die rhythmische Struktur.
Ursprünglich waren die Steelpan-Orchester vor allem auf den Karnevalsumzügen in Trinidad vertreten. Dabei wandelten sich im Laufe der Zeit die Methoden, die Instrumente während des Umzugs zu spielen. Anfangs konnten die Pfannen als sogenannte „Pan-around-the-neck“ um den Hals gehängt werden und waren so transportabel. Später wurden unter die Pfannen Rollen montiert („Pan-on-wheels“) und der Spieler schob sein Instrument vor sich her. Heute spielen die Steelbands in der Regel auf motorisierten Karnevalswagen. Seit der Erfindung der Steelpan hat sich das Instrument weit über sein Heimatland hinaus verbreitet. Inzwischen gibt es zahlreiche Bands in den USA, England, Schweiz und Deutschland. [D.P.]

