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Xylophon-Orchester

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Xylophon-Orchester

Balafone, Foto: Gabriele Warnke

Senufo, Elfenbeinküste (Westafrika)

Xylophone oder Balafone, in der Sprache der Senufo (Elfenbeinküste, Mali, Burkina Faso) kpoye genannt, sind sowohl ein wesentlicher Teil ihrer Musik als auch ein allgemeines Zeichen ihrer Identität. Xylophon-Ensembles spielen an zentralen Stellen von Beerdigungen und Ritualen, auch bei Gedächtnisfeierlichkeiten sind sie unverzichtbar. Im staatlichen Rundfunk der Elfenbeinküste werden die in der Sprache der Senufo gesprochenen Nachrichten mit einem kurzen Spiel der Xylophone eröffnet. Der Norden der Elfenbeinküste gilt als das „Land der Xylophone“.

Ein Xylophon hat 12 der Größe nach geordnete Klangstäbe aus Holz, die mit einem Lederstreifen lose auf einem mit Riemen umwickelten Holzgestell befestigt sind. Unter den Klangstäben hängt in zwei parallelen Reihen angeordnet je ein Kalebassenresonator. Jede Kalebasse hat ein bis zwei Öffnungen, die mit dem Netz einer einheimischen Spinnenart verschlossen sind: ein sirrender Vibratoklang ist die Folge. Ein Xylophon wird mit zwei Schlägeln, umwickelt mit Kautschuk, gespielt. Zwei Typen von Instrumenten werden eingesetzt, ein größeres und ein kleineres Exemplar, beide in fünftöniger (pentatonischer) Stimmung. In einem Ensemble, bestehend aus mindestens vier Musikern (zwei Xylophonisten, zwei Trommler), in der aufwändigsten Form aus bis zu neun Musikern und zwei Sängern, bleibt das tiefe Register dem „besten“ (und ältesten) Spieler vorbehalten: Er markiert Anfang und Ende eines Liedes oder Tanzes durch den Schlag auf den tiefsten Klangstab, „die Mutter der Stäbe“. Weniger geübte Musiker bedienen nur die „kleinen Stäbe“, das hohe Register eines Xylophons. Der „beste“ Spieler gibt zugleich auf den tiefen Klangstäben die Tonfolge des zu spielenden Liedes vor, während die anderen Xylophonisten es im höheren Register umspielen.

Kennzeichnend für alle Xylophon-Ensembles der Senufo ist das „Sprechspielen“. Dabei folgt der Musiker vor allem den Tonhöhen der gesprochenen Sprache. Auf diese Weise können auch Texte „ohne Worte“ übermittelt werden. Auch den Tänzen liegen kurze Textformeln zugrunde, ebenso den Ehrungen, die im Laufe von großen Festlichkeiten den Alten und großen Persönlichkeiten von Xylophon-Ensembles dargebracht werden.

Die Instrumente werden entweder von den einzelnen Musikern aufbewahrt oder gemeinsam bei einem ehemaligen Xylophonspieler. Neben den aktiven Musikern werden auch hervorragende alte Musiker noch zum Ensemble gezählt. Sie betreuen und beraten die Gruppe und begleiten sie zu Auftritten und Beerdigungen in fremden Dörfern und Städten. [A.L.]