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Amerika

Menschen und ihre persönlichen Geschichten stehen im Mittelpunkt von „Amerika“, einer Ausstellung, die vor allem dem Doppelkontinent im 21. Jahrhundert gewidmet ist. Doch heutige Unterschiede zwischen Nord- und Südamerika in Politik, Wirtschaft und Kultur oder Religion lassen sich kaum ohne den Hintergrund der Einwanderungswellen erklären, die Amerika insbesondere seit 1492 formten.

„Einwanderung“ ist deshalb das erste von vier großen Themen, dem Besucher in der Ausstellung begegnen – gefolgt von „Religion“, „Politik & Gesellschaft“ sowie „Welthandel“. Begleitet werden sie dabei von acht eindrucksvollen Videoportraits, deren Protagonisten sie zum Ende des Rundgangs mit ihren Wünschen für die Zukunft entlassen.

Wir danken unseren Förderern für Ihre Unterstützung bei der Realisierung der Amerika-Ausstellung.

Einwanderung

Steter Wandel formte den amerikanischen Doppelkontinent. Geologische wie klimatische Veränderungen prägten im Verlauf der Erdgeschichte die Tier- und Pflanzenwelt. Ähnlich große Auswirkungen hatte Kolumbus' Ankunft 1492. In den folgenden Jahrhunderten kamen Millionen Menschen nach Amerika - mal auf der Suche nach Reichtum, Glück und Freiheit oder als Sklaven dorthin verschleppt. Einwanderer trafen einerseits auf scheinbar ungenutztes Land, das sie für sich beanspruchten. Andererseits kamen sie in dicht bevölkerte Gebiete, deren Bewohner aus ihrer Sicht bekehrt werden mussten. Die Folgen für die ansässige Bevölkerung waren erheblich.

Amerikanischer Bison

Einwanderer im Fellkleid: Der Vorläufer des amerikanischen Bison gelangte vor etwa 600.000 bis 300.000 Jahren nach Nordamerika. Hier entwickelte sich der heute bekannte Bison. Schätzungen zufolge besiedelten bei Ankunft der Europäer etwa 30 Millionen dieser Tiere die Prärien und Wälder Nordamerikas. Durch intensive Bejagung starben sie beinahe aus. Derzeit leben wieder rund eine halbe Million Bisons vor allem in Schutzgebieten und Nationalparks.

Karolinasittich

Verdrängt und gejagt: Der Karolinasittich war die einzige Papageienart Nordamerikas. Er besiedelte Platanen- und Zypressenwälder an Flussläufen und Sümpfen. Mit der Einwanderung der Europäer veränderte sich jedoch sein Lebensraum. Der Karolinasittich ernährte sich fortan zum Beispiel in Obstplantagen und wurde deshalb als Schädling aktiv bejagt. Im Jahr 1918 verstarb das letzte dieser Tiere in einem Zoo.

Pferd

Zurück nach Amerika: Ursprünglich stammen Pferde aus Nordamerika. Hier starben sie jedoch vor rund 8.000 Jahren aus. Erst im 16. Jahrhundert brachten die Spanier das Pferd erneut nach Amerika. Durch entlaufene Exemplare, Diebstahl oder Handel verbreiteten sich die Tiere von New-Mexico aus gen Norden, bevor auch nordeuropäische Siedler Pferde einführten. Bis etwa 1775 waren alle Plains-Indianer beritten. Die Bisonjagd wurde intensiviert und die Jagdgebiete ausgeweitet.

Federhaube des Häuptlings Red Eagle

Lakota, USA, 2. Hälfte 19. Jahrhundert

Bedeutender Kopfschmuck: Die große Adlerfederhaube der Plains-Stämme gilt als das Symbol des Indianers schlechthin. Als Quelle innerer Kraft und Eingebung war sie ein Zeichen der Anführer und verdienten Männer. Sie wurde nur zu besonderen Anlässen getragen. Flügel- und Schwanzfedern des Adlers standen für herausragende Leistungen im Krieg. Die Federhaube ist mit böhmischen Glasperlen und chinesischen Seidenbändern verziert.

Potlatch

Gäste und Geschenke: Potlatch ist die Bezeichnung für Feste von Indianern an der Nordwestküste Amerikas. Hier wurden einst Geschenke an Gäste verteilt und Häuptlingsnamen, Titel sowie Ämter an die nächste Generation vererbt. Das Ansehen eines Häuptlings bemaß sich an der Zahl der Gäste und dem Wert der Geschenke für sie. 1884 verboten, wird heute versucht, das ursprüngliche Wesen des Potlatchs in zeitgemäßer Form neu zu beleben.

Goldschatz

Stoff überirdischer Macht: Im 16. Jahrhundert weckte die Legende von El Dorado die Abenteuerlust der Spanier. Auf der Suche nach Gold zogen sie plündernd und mordend über den Kontinent. Für die altindianischen Völker Lateinamerikas war Gold oft ein Stoff überirdischer Macht. Es zierte Priester und die Gegenstände ihrer Zeremonien. Was den Spaniern davon in die Hände fiel, schmolzen sie ein. Was ihnen verborgen blieb, wurde erst später in seinem Wert erkannt und bewahrt.

Religion

Die Suche nach religiöser Freiheit war einst ein wichtiges Motiv für die Einwanderung nach Nordamerika. Lateinamerika ist heute von einem fundierten Katholizismus geprägt. Indianische Religionen blieben trotz der teils gewaltsamen Missionierungen durch die christlichen Europäer bis in die Gegenwart erhalten. Im karibischen Raum verweisen afroamerikanische Religionen auf das Erbe der Sklaverei.

Puppe der Amischen

USA, 2015, Sammlung Karolin Kruse

Für Touristen gemacht: Diese Puppe wurde von FreidaRaber für den Shop des Heimatmuseums Menno-Hof in Shipshewana, Indiana, genäht. Puppen der Amischen sind traditionell gesichtslos. Das Gesicht ist unwichtig, denn vor Gott sind alle Menschen gleich. Nur Gott selbst kann Menschen abbilden. Die Herstellung von Puppen für Touristen ist eine Variante der Vermarktung amischer Kultur.

 

 

Albe, Kasel und Stola

Brasilien, 2015

Dreiteilig: Zur Heiligen Messe tragen katholische Priester besondere Garderobe. Grundlage ist die Albe, ein weißes Untergewand. Hinzu kommt die Stola, ein langer, oft verzierter Stoffstreifen. Die Kasel, das Übergewand, vervollständigt die Robe. Die Farbe der Kasel wechselt je nach Zeiten, Festen oder anderen Anlässen des Kirchenjahres. Rot wird vor allem zu Festen der Passion Christi, des Heiligen Geistes oder zu Feiertagen, an denen Märtyrern gedacht wird, getragen.

 

 

Reproduktion des Altarbildes "La Guadalupana"

Chihuahua-Stadt, Mexiko, 1986, Sammlung Claus Deimel, 1985

Vielfach kopiert: Der Legende nach entstand das Bildnis der Guadalupe aus dem Mantel des Indianers Juan Diego, dem die Jungfrau 1531 auf dem Berg Tepeyac erschienen war. Dieses Ereignis führte dazu, dass die Indianer die christlichen Heiligen anerkannten. Die Mutter Gottes war für sie vergleichbar mit Tonantzin, der Muttergöttin der Azteken. Kopien des Bildes finden sich heute in fast jedem mexikanischen Haushalt.

Skelettfigur Catrina

Leonardo Linares, Mexiko-Stadt, Mexiko, 1980er Jahre,
Sammlung Herbert Ganslmayr, 1985

Symbolträchtig: Die Catrina ist die berühmteste Schöpfung des Karikaturisten José Guadalupe Posada. In seinen Bildsatiren kritisierte der Zeitungsillustrator die Unterdrückung der Menschen und der Volkskultur während der Diktatur von Porfirio Díaz im Übergang zum 20. Jahrhundert. Die Skelettdame mit Hut stand sinnbildlich für die Mexikaner, die ihre indianischen Wurzeln durch europäische Kleidung verleugnen wollten.

Bemaltes Bisonfell

Blackfoot, Kanada, 2001, Sammlung Museum Kunstpalast Düsseldorf, 2012

Tierhaut mit Botschaft: Dieses von Devalon Small Legs, einem Blackfoot-Ältesten, bemalte Bisonfell zeigt zwei männliche und zwei weibliche Bisons. Sie sind keisförmig um eine rote Sonnenscheibe angeordnet. Es handelt sich um eine Darstellung der Fruchtbarkeit und des Lebens. Das Bisonfell weist außerdem darauf hin, dass mit der Wiederbelebung des Sonnentanzes in neuerer Zeit auch die Bisons wieder ins Land der Blackfoot zurückkehrten.

Vodou Paquet

Haiti, 1990er Jahre

Kraft und Schutz: Paquets sind spirituelle Objekte, angefertigt von Vodou-Priestern. Ein Paquet beinhaltet magische Zutaten wie Kräuter, weiteres Pflanzenmaterial und Erde - umwickelt mit Stoff und dekoriert mit Federn, Bändern und Pailletten. Paquets werden bei Heilungszeremonien verwendet. Sie sind Kraftobjekte, um die Loa, die Geistwesen, zu aktivieren. Als Schutzamulett im Haus bringen sie Gesundheit, Wohlstand und Glück.

Politik und Gesellschaft

Millionen Einwanderer brachten ihre Kultur mit nach Amerika: Überzeugungen und Ideale, Herrschaftssysteme und Religionen, die sich untereinander und mit den Kulturen der indigenen Bevölkerung mischten. Sie prägten politische und soziale Strukturen der heutigen Gesellschaften Amerikas und spiegeln sich im Selbstverständnis der Menschen, in ihrem Alltagsleben und ihren Festen.

Fotoporträts aus Amerika

Volker Kreidler, 2015

Nachgefragt: Die Begriffe "American Way of Life" und "American Dream" beziehen sich auf Lebensweise und Selbstverständnis in den USA. Was sie genau besagen, ist unklar. Auch auf Lateinamerika lassen sie sich nicht übertragen. Für die Ausstellung wurden daher Menschen aus Nord- und Lateinamerika gefragt, was das Besondere am Leben in ihrer Heimat ist. Portraitiert hat die Zitatgeber der Fotograf Volker Kreidler.

Satan-Kostüm

Bolivien, 2015, Sammlung Markus A. Scholz

Kampf zwischen Gut und Böse: Der Karneval bildet in Lateinamerika vielerorts den Höhepunkt des Jahres. Im bolivianischen Oruro nehmen rund 50 Vereine an den Karnevalsumzügen teil und präsentieren Tänze mit eigener Choreografie, Musik und Kostümen. Der wichtigste Tanz ist die Diablada, die den Kampf zwischen Gut und Böse darstellt. Erzengel Michael, Luzifer, Satan und zahlreiche Teufel, die für die Todsünden des Menschen stehen, treffen darin aufeinander.

Frauentracht der Maya

Nebaj, Quiché, Guatemala, 1970er Jahre, Sammlung Corinna Raddatz, 1975

Mehr als Kleidung: Eine Tracht verrät nicht nur die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gemeinde in Guatemala. Für viele Maya-Frauen ist sie Teil der Identität und stolzer Ausdruck indigener Wurzeln.Männer hingegen sieht man nur noch selten in Tracht. Rassismus gegenüber Indigenen ist immer noch weit verbreitet, und im Ringen um Anerkennung haben viele von ihnen ihre traditionelle Kleidung aufgegeben.

Rückfront eines Schulbusses

USA, 2003

Bekanntes Gefährt: Vielspurige Stadtautobahnen, endlose Landstraßen und strikte Geschwindigkeitsbeschränkungen gehören zum US-amerikanischen Lebensstil. Entfernungen sind groß. Die gelben Busse sind für Schüler öffentlicher Schulen deshalb ein weit verbreitetes Transportmittel und können kostenlos genutzt werden. 2013 waren über 460 000 Fahrzeuge im Einsatz, die täglich mehr als 28 Millionen Kinder beförderten.

Waffen

Aus alten Tagen: In der Pionierzeit musste jeder Siedler sich und sein Land selbst verteidigen. Gemessen an der Einwohnerzahl findet sich in den USA heute die weltweit höchste Waffendichte. Pro Jahr sterben rund 30 000 Menschen durch privaten Schusswaffengebrauch. Viele US-Bürger sehen schärfere Kontrollgesetze als Beschneidung ihrer Rechte. Sie berufen sich auf den Zweiten Verfassungszusatz von 1791, der den Bürgern das Tragen von Waffen erlaubt.

Powwow-Kostüm

Lakota, Pine Ridge Reservation, USA, 2013, Sammlung Sonja John, 2015

Klingende Bewegungen: Im Rahmen des wiedererwachten indianischen Selbstbewusstseins spielen Powwow-Tanzfeste eine sehr wichtige Rolle. Es gibt verschiedene Arten von Tänzen in verschiedenen Trachten. Das Jingle Dress ist eines der populärsten Kostüme für Mädchen und Frauen. Es zeichnet sich durch einen Besatz mit mehreren Reihen konischer Metallhülsen aus, die beim Tanz ein klingelndes Geräusch verursachen.

San Malverde Statue

USA, 21. Jahrhundert

Menschliches Vorbild: San Malverde ist ein volkstümlicher mexikanischer Heiliger und Schutzpatron der Drogenhändler sowie der illegalen Migranten. Jesus Malverde war eine reale Person. Um 1870 geboren, wurde er 1909 als Krimineller gehängt. Heute steht er im Ruf, eine Art Robin Hood gewesen zu sein, der Reiche beraubte und Arme beschenkte. Bei der Bevölkerung im Bundesstaat Sinaloa ist er sehr populär. Sein Festtag ist der 3. Mai. Von der katholischen Kirche wird er nicht anerkannt.

Welthandel

Als größte Volkswirtschaft der Welt führen die USA den Welthandel an. In Lateinamerika gehören bisher nur wenige Länder zu denen, die Rohstoffe, Güter und Dienstleistungen erzeugen oder handeln. Mittelpunkt des Geschehens ist - auch in der Ausstellung - die Börse mit ihren Kursen. Beispiele täglicher Verbrauchsgüter wie Fleisch, Kaffee, Mais, Soja, Silber oder Erdöl zeigen, dass Preise nicht allein vom Erzeuger festgelegt, sondern von Großhändlern und den Wertpapierbörsen in New York oder Frankfurt bestimmt werden. Sichtbar wird in der Ausstellung auch die Kehrseite der Produktion: ein gewaltiger Verbrauch von Flächen und Ressourcen.

Kleiner Kaffeejunge

Öl auf Leinwand, Nanuk, Rolândia 1995

Von Bremen nach Lateinamerika: Im Alter von 13 Jahren floh Nanuk, die Deutsche Mathilde Hoster, mit ihrer Familie vor den Nationalsozialisten nach Rolândia (Brasilien). Diese Siedlung war kurz vorher von Migranten aus Bremen gegründet worden. In mühsamer Arbeit kultivierten die Flüchtlinge den Regenwald und begannen, Kaffee anzubauen. Nanuk wurde eine bekannte Malerin, die in ihren Bildern den neuen Lebensraum dokumentierte.

Modell eines Kaffee-Beneficios

Übersee-Museum, ca. 1960

Verarbeitungsprozess: Kaffeebauern in Kolumbien bringen ihre Ernte in ein Beneficio. Hier wird sie solange getrocknet, bis die Kaffeebohnen sich leicht aus ihrer Kirsche lösen lassen. Anschließend werden die Bohnen gereinigt. Nachdem auch die sie umgebenden Häutchen entfernt sind, werden sie nach Qualität sortiert und in 60 kg Säcke abgepackt. So kann der Rohkaffee in Röstereien nach Übersee transportiert werden.

Amerikanisches Rentier

Hindernis in Sicht: Tausende Rentiere durchqueren auf Nahrungssuche die amerikanische Tundra. Unter den Säugetieren bilden sie die größten Herden und nutzen die längsten Wanderrouten. Doch Erdölpipelines zerteilen ihren Lebensraum. Seit 1977 wird im Arctic National Wildlife Refuge in Alaska eine Pipeline geplant, die den Weg zu den Kinderstuben der Rentiere abschneiden würde. Das könnte die Bestände sehr stark beeinträchtigen.

Büste von Simón Bolívar

Quito, Ecuador, 2015, Sammlung Übersee Museum-Bremen, 2015

Stets geschätzt: Er war der Wegbereiter der panamerikanischen Idee, der Vision eines geeinten Amerika: Simón Bolívar. Im frühen 19. Jahrhundert erkämpfte er für viele lateinamerikanische Staaten die Unabhängigkeit von spanischer Kolonialherrschaft und gründete den Zentralstaat Großkolumbien. Sein Traum scheiterte. Doch in Kolumbien, Ecuador, Venezuela, Peru und Bolivien wird Simón Bolívar bis heute als "El Libertador" - der Befreier - verehrt.

Matetrinkgefäß und Bombilla

Argentinien, vor 1973, Sammlung Ludwig Tampe, 2012

Mehrfach genutzt: Zur traditionellen Zubereitung von Matetee verwenden die Menschen im südlichen Lateinamerika spezielleTrinkgefäße. Diese werden zu etwa zwei Dritteln mit Teeblättern gefüllt, die mit heißem Wasser übergossen werden. Die Bombilla, ein Metallröhrchen mit Sieb am unteren Ende, dient zum Trinken des Aufgusses. Aufgrund der großen Menge an Teeblättern kann Matetee sehr häufig aufgegossen werden.

Sonnensittich

Gefährdete Art: Aufgrund ihrer Farbenpracht werden Sonnensittiche aus Nachzuchten gerne als Haustiere gehalten. Doch das täuscht darüber hinweg, dass sie in freier Wildbahn mittlerweileals gefährdet eingestuft werden. Ursprünglichstammt der Sonnensittich aus einem vergleichsweise kleinen Gebiet im nördlichen Lateinamerika. Man geht davon aus, dass es nur noch wenige tausend Exemplare gibt - Tendenz stark fallend.