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Erleben, was die Welt bewegt

Wen das Fernweh ruft, der findet im Übersee-Museum zahlreiche Wege, um andere Länder, deren Natur, Menschen und Kultur zu entdecken. Doch es gibt Themen, für die nationale Grenzen, Zeit- oder Klimazonen, Sprachbarrieren sowie andere Unterschiede längst keine Bedeutung mehr haben. Ob mit positiven oder negativen Folgen, die Globalisierung lässt Menschen aller Kontinente näher zusammenrücken – zu sehen in der Ausstellung "Erleben, was die Welt bewegt".

Sieben Pfade ermöglichen hier, globale Phänomene zu erkennen und Zusammenhänge aufzudecken: Kommunikation, Weltwirtschaft, Klimawandel, Sex & Gender, Migration, Zeit oder Menschenrechte spielen weltweit eine zentrale Rolle. Sie sind Chance und Herausforderung zugleich. Was ist zu tun, um ihnen zu begegnen? In der Ausstellung laden zahlreiche Mitmach-Stationen zum Forschen ein und regen an, eigene Rollen und kulturelle Blickwinkel zu hinterfragen.

Wir danken unseren Förderern

Klimawandel

Klimaveränderungen sind nicht neu. Vor wenigen tausend Jahren ging die letzte Eiszeit in Europa zu Ende und ältere Funde belegen sogar ein subtropisches Klima für diesen Kontinent. Aber: Höhe und Geschwindigkeit des Temperaturanstiegs in der Atmosphäre sind laut erdgeschichtlichem Vergleich bisher einzigartig. Verantwortlich dafür ist dieses Mal der Mensch. Als Verursacher des Klimawandels liegt es in seiner Hand Verhaltensweisen zu ändern und damit dessen Folgen zu mildern.

Eisbär

Schmelzende Jagdgründe: In den letzten Jahren nahmen sowohl die Dicke als auch die Ausdehnung des arktischen Packeises stark ab. Eine der Folgen: Im Jahr 2007 war die Nordwestpassage zwischen Atlantik und Pazifik erstmals eisfrei, also gefahrlos schiffbar. Für die Tierwelt der Arktis bedeutet der Schwund des Eises jedoch eine Verringerung des begehbaren Lebensraumes – insbesondere für die Eisbären.

Tomate

Leihgabe: Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven

Gemüse für die Klimaforschung: Diese transportablen Forschungsstationen werden tatsächlich „Tomate“ genannt. In ihnen wohnen und arbeiten Polarforscher oft wochenlang weit entfernt von festen Forschungsstationen in der Antarktis. Die „Tomate“ hält den widrigen Witterungsbedingungen dort gut stand. Allerdings setzen Wind und Eis ihrer Oberfläche zu, was dieses Exemplar gut erkennen lässt.

Kronenkranich

Umnutzung mit Folgen: Der Tschad-See im Zentrum Afrikas hat in den letzten fünfzig Jahren einen Großteil seiner Fläche eingebüßt. Grund dafür sind weniger Niederschläge. Während infolgedessen die Fischerei zurückgeht, werden ehemals sumpfige Landschaften nun landwirtschaftlich genutzt. Davon sind auch die dort lebenden Kronenkraniche betroffen. Ihre Bestände verringern sich, da sie weniger Nahrung und Brutflächen finden.

Weserkraftwerk

Modell 1:200, Leihgabe: Tandem GmbH

Alternativen finden: Der Anteil erneuerbarer Energien an weltweiter Energiegewinnung wächst stetig. Beispiele wie dieses Weserwasserkraftwerk aber zeigen, dass es auch hier nicht ohne Eingriffe in die Natur geht. Das Kraftwerk beeinträchtigt den Lebensraum der Flussbewohner. Es bildet eine künstliche Barriere. Doch Maßnahmen wie eine Fischtreppe können zumindest diesen helfen, das Hindernis zu überwinden.

Bändereisenerze Itabirit

Schenkung an die Geologische Sammlung der Universität Bremen
Donator: Heinz Emel, Leihgabe: Geologische Sammlung Univ. Bremen, Fundort: Itela, Angola

Zeuge der Klimageschichte: Bändereisenerze entstanden vor 3,4 - 1,8 Milliarden Jahren. Zu dieser Zeit entwickelten sich auf der Erde Blaualgen, die erstmals Sauerstoff als Abfallprodukt ihres Stoffwechsels ins Meerwasser abgaben. Durch diesen Sauerstoff reagierte darin gelöstes Eisen zu Eisenoxiden, die sich auf dem Meeresgrund ablagerten. Bändereisenerze sind somit auch erste Zeugnisse freien Sauerstoffs in der Atmosphäre.

Kampfläufer

Mehr Meerwasser bringt Gefahr: Kampfläufer balzen in den unter Schutz gestellten Salzwiesen des Wattenmeeres. Doch nicht nur das, sie brüten und ziehen dort auch ihre Nachkommen auf. Aufgrund des Klimawandels steigt der Meeresspiegel an. Das hat zur Folge, dass die am Außendeich gelegenen Salzwiesen derzeit in ihrem Bestand bedroht sind – und mit ihnen der Lebensraum zahlreicher Pflanzen- sowie Tierarten.

Kommunikation

Treffen Lebewesen aufeinander, ist Kommunikation allgegenwärtig. Sie tauschen sich aus – über Sprache, Laute, Bewegungen, Farben und Gerüche. Bewusst oder unbewusst werden Informationen gesendet und vom Empfänger gedeutet. Im Falle des Menschen bleibt Kommunikation, auch wenn sie inzwischen losgelöst von Raum und Zeit erfolgt, kulturell geprägt. Die Folge: kulturübergreifendes Verständnis einerseits, kulturelle Missverständnisse andererseits.

Teekanne mit Schriftzeichen „Langes Leben“

China, Qing Dynastie, Periode Kang Xi (1662-1722)

Die älteste ihrer Art: Bereits seit mehr als 3000 Jahren nutzen die Menschen in China die chinesische Schrift und pflegen die Tradition des Schreibens im Vergleich zu anderen Kulturen der Welt ohne Unterbrechungen. Insgesamt gibt es im Chinesischen 60000 Schriftzeichen. Viele von ihnen werden jedoch nur selten verwendet. Für den alltäglichen Bedarf reicht die Kenntnis von 3000 bis 5000 Zeichen aus.

Trommel

Nigeria, Yoruba, vor 1972

Die Trommel sprechen lassen: Bei den Yoruba schlägt ein Trommler mit einem Krummstab auf die Membran seiner Trommel. Über Bewegung der außen liegenden Stimmschnüre kann die Tonhöhe verändert werden. So erzeugt der Trommler – wie in der tonalen Sprache der Yoruba – einen Hoch-, Mittel- und Tief-Ton und kann damit durch seine Trommel „sprechen“.

Maske

Süd-Gabun, Ogowe-Gebiet, vor 1950

Kontakt mit den Ahnen: Masken wie diese wurden im südlichen Gabun unter anderem bei Trauer-, Begräbnis- und Gedenkfeierlichkeiten eingesetzt. Der komplett unter einem Kostüm verborgene Maskenträger bewegte sich dabei wild gestikulierend auf Stelzen. In den Masken offenbarte sich der Geist der Ahnen. Die weiße Farbe der Gesichtsmaske weist auf eine Verbindung zur spirituellen Welt, den Ahnen sowie den Tod hin.

Handy-Schmuck

Japan, 2010

Selbst verziertes Kommunikationsmittel: Eine möglichst persönliche Gestaltung des eigenen Handys ist in Japan oft zu sehen. Bunte Gehäuse, modische Hüllen, Aufkleber und vor allem Handy-Schmuck wie diese Anhänger hier gehören zur Ausstattung.

Temmincktragopan

Das andere Geschlecht locken: Ist es in Balzstimmung, präsentiert das Männchen der Temmincktragopane seinen bunt gefärbten Kehlsack. Zusätzlich pumpt es die fleischigen „Hörnchen“ am Hinterkopf auf. Der Körper wird hoch aufgerichtet, die Flügel hält es nach unten abgespreizt. Dabei stößt das Männchen schneller werdende Klack-Laute aus. Alles, um das Weibchen in der Paarungszeit auf sich aufmerksam zu machen.

Rangda-Maske

Bali, Indonesien, um 1920

Heil und Unheil: In der Vorstellung der Balinesen müssen für den Erhalt von Harmonie das Heilvolle und das Unheilvolle miteinander existieren. Mit hervorquellenden Augen und ihren kräftigen, geschwungenen Eckzähnen verkörpert Rangda den unheilvollen zerstörerischen Aspekt. Der Kampf zwischen  Rangda und Barong, dem Vertreter des Heilvollen, endet stets unentschieden.

Sex und Gender

Am Anfang war Leben ohne Sex. Vor etwa 4,5 Milliarden Jahren vermehrten sich Lebewesen durch Teilung oder Sprossung. Erst später entwickelte sich die sexuelle Fortpflanzung. Bis heute existiert beides. Viele Tiere und der Mensch haben Geschlechter ausgebildet. Doch nur Menschen haben neben ihrem biologischen Geschlecht, Sex, noch ein kulturell zugeschriebenes, Gender, das sich verändern kann.

Zebroid

Nachkommen zeugen unmöglich: Kommt es zu Kreuzungen von Tieren nahe verwandter, aber dennoch verschiedener Arten, so ist der Nachwuchs zwar lebensfähig, doch unfruchtbar. Meist geschieht dies in Gefangenschaft. Ein Zebroid wie dieser hier ist das Ergebnis einer Vereinigung von Zebra und Pferd, in diesem Falle von Zirkustieren. Ursache für die Unfruchtbarkeit ist, dass Zebra und Pferd über eine unterschiedliche Anzahl von Chromosomen verfügen.

Thorshühnchen

Leihgabe: Naturhistorisches Museum Mainz

Mal anders herum: Den Sommer verbringen Thorshühnchen in den arktischen Gebieten Amerikas, Asiens und Europas. Gegenüber den meisten anderen Vogelarten zeichnen sie sich durch ein paar Besonderheiten aus. Während der Balz besitzen die Weibchen das auffälliger gefärbte Gefieder. Zudem sind sie deutlich aktiver und werben um das Männchen. Sind die Jungen geschlüpft, übernimmt das Männchen ihre Aufzucht.

Stumpfkrokodil

Die Gradzahl macht’s: Während bei vielen Tierarten das Geschlecht genetisch festgelegt wird, bestimmt bei manchen Reptilien- und Fischarten die Umgebungstemperatur zur Brutzeit das Geschlecht. Im Falle dieses westafrikanischen Stumpfkrokodils entstehen in den Eiern bei Temperaturen knapp unter 30°C Weibchen, bis 33°C Männchen. Ein Temperaturanstieg durch klimatische Veränderungen kann also Auswirkungen auf das Geschlechterverhältnis der Tiere haben.

uli-Figur

Mittleres Neuirland, Papua-Neuguinea

Zweigeschlechtlich: Figuren wie diese waren früher Teil von Fruchtbarkeitszeremonien oder Ritualen, die zur Erinnerung an Verstorbene abgehalten wurden. Sie stellten keine bestimmten Personen dar, sondern symbolisierten Lebenskraft. Die männlichen Merkmale stehen für körperliche Kraft, die dem Schutz einer Verwandtschaftsgruppe dient. Die weiblichen Brüste versinnbildlichen Fruchtbarkeit und die Pflicht, die Gruppe zu ernähren.

Gefäß mit Deckel

China, 18./19. Jahrhundert

Geschenk mit besonderer Bedeutung: Das Dekor dieses Gefäßes zeigt einen Drachen und einen Phönix. In China entwickelten sich diese mythischen Tiere über längere Zeit hinweg zu Sinnbildern für Kaiser und Kaiserin oder – ganz allgemein – für Mann und Frau und damit auch für die Ehe. Gegenstände mit einem Phönix-und-Drachen-Motiv wurden daher zu beliebten Hochzeitsgaben.

Puppe

akuaba
Akhan, Ghana, vor 1961

Mehr als ein Spielzeug: Mit ihnen wurde zwar auch gespielt, doch Puppen wie diese dienen bei den Aschanti anlässlich der Initiation von Mädchen auch als Lehrmittel. Während ihrer Initiation staffierten Mädchen die Puppen mit ihrem eigenen Haar und Perlenschmuck aus. Sie umsorgten sie wie ein Kind und trugen sie mit sich. Auch Frauen, die schwanger werden wollten, hatten solche Puppen bei sich.

Zeit

Ob Sekunde, Minute, Stunde oder Tag – eigentlich ist „Zeit“ klar definiert. Doch eine nähere Betrachtung zeigt schnell, kaum jemand kann dieses Phänomen erschöpfend erläutern. Minuten können zu Stunden werden oder sie vergehen wie im Fluge. Nicht alle Individuen haben das gleiche Zeitgefühl, nicht alle Kulturen das gleiche Verständnis von „Zeit“, und: Sogar Tiere können ein Gefühl für zeitliche Abläufe entwickeln.

Gesichtsrahmen

Maasai, Tansania/Kenia

Jahre zählen nicht: Bei den „Maasai“, im Deutschen „Massai“, wird das Alter nicht in Jahren ausgedrückt. Die Männer sind in drei Altersklassen eingeteilt: „unbeschnittene Jungen“, „Krieger“ und „Ältere“. Krieger müssen tapfer, selbstbewusst und attraktiv sein. Wenn sie Krieger werden, erhalten sie neue Kleidung und Schmuck wie den hier gezeigten Gesichtsrahmen aus Straußenfedern. Letzterer wird heute nur noch selten getragen.

Galapagos-Riesenschildkröte

Chelonoidis nigra Quoy & Gaimard, 1824

Beeindruckendes Alter: Diese Riesenschildkröte zählt zu den größten Landschildkröten der Erde. Sie bewohnt in sieben Unterarten sieben der Galapagos-Inseln. Das heißt, jede Insel hat ihre eigene Unterart. Sie ernähren sich von unterschiedlichen Pflanzen. Galapagos-Riesenschildkröten können sehr alt werden. In Gefangenschaft gehaltene Tiere erreichen ein Alter von über 150 Jahren und ein Gewicht von 400 kg.

Scheibe aus dem Stamm eines Küstenmammutbaumes

Sequoia sempervirens

Wo Ringe von Zeit zeugen: Dieses Baumstück stammt aus der Umgebung von Springville in Kalifornien, einem Ort ca. 200 km nördlich von Los Angeles in den USA. 1958 kam es als Geschenk Bremer Holzhändler ins Museum. Durch das Auszählen der Jahresringe – in der Ausstellung auf einem polierten Teil der Scheibe erkennbar – konnte das Alter des Baumes bestimmt werden. Er war zum Zeitpunkt des Fällens 2.333 Jahre alt.

Schale

China, Qing-Dynastie, Jiaqing-Periode (1796-1820)

Herrschernamen zur Orientierung: Die chinesische Zeitrechnung ordnet die Jahre nach den Regierungen der Kaiser. In den kaiserlichen Werkstätten etwa wurde Porzellanware am Boden jeweils mit einer Marke versehen. Bei der hier gezeigten Schale lautet sie in alter Siegelschrift „DaqingJiaqingnianzhi“ . Das bedeutet so viel wie: „hergestellt in der Periode Jiaqing der Großen Qing-Dynastie“.

Zwillingsfigur

ere-ibeji
Yoruba, Nigeria
Sammlung Kaiser 1970-1989

Eine Seele für Zwei: Der Tod eines Zwillings ist bei den Yoruba ein großes Unglück. Sie nehmen an, dass Zwillinge eine gemeinsame Seele haben. Nach dem Tod eines Kindes schwankt die Seele zwischen den Welten und bedroht das noch lebende Kind. Um der Seele wieder einen festen Platz im Diesseits zu geben, stellen die Yoruba eine Zwillingsfigur wie diese her.

Menschenrechte

1948 verkündeten die Vereinten Nationen die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“. Doch obwohl diese heute zum zwingenden Völkerrecht gehören, sorgen sie immer wieder für politischen Zündstoff. Staaten wehren sich gegen Einmischungen in innere Angelegenheiten und verweisen auf unterschiedliche kulturelle Traditionen. Dessen ungeachtet setzen sich Menschen überall auf der Welt für diese Rechte ein und treiben so deren Weiterentwicklung voran.

American Indian Movement

Ungeklärte Situation: Bis heute fordert das American Indian Movement (AIM) die Black Hills zurück, die heiligen Berge der Lakota-Sioux. Ursprünglich den Indianern zuerkannt, wurde das Reservat nach Goldfunden und der legendären Schlacht am Little Big Horn zerschlagen. 1980 sprach der Supreme Court der Vereinigten Staaten den Indianern eine Entschädigung von 105 Millionen Dollar zu, die sie nie annahmen.

Kinderrechtsbewegung

Kindheitserinnerungen: Rotes Haar, abstehende Zöpfe, Sommersprossen und Ringelstrümpfe! Pippi Langstrumpf besitzt Eigenschaften, die sich viele Kinder wünschen. Sie ist stark, unabhängig und richtig frech. Mit ihrer weltbekannten Kinderbuchfigur stellt Astrid Lindgren, eine Pionierin der Kinderrechtsbewegung, die Normen Erwachsener auf den Prüfstand und schützt Kinder in ihrer Phantasie vor deren Maßregelungen.

Häusliche Gewalt

Grenzenlos: Häusliche Gewalt existiert in allen Kulturen, Klassen, Bildungsgraden oder Generationen und wird von beiden Geschlechtern ausgeübt. Trotzdem sie seit 1993 als Menschenrechtsverletzung gilt, sind verharmlosende Alltagsmythen wie „eine Ohrfeige hat noch keinem geschadet“ noch immer verbreitet. Die Opfer, in der Mehrzahl Frauen und Kinder, sehen häufig eine Mitschuld bei sich und rechtfertigen damit das Verhalten der Täter.

Krüppelbewegung

Unglaublicher Vorfall: „Bundespräsident mit Krücke geschlagen“ – diese Schlagzeile machte am 19. Juni 1981 die Runde in der Tagespresse. Damit seine Hiebe nicht als Ausrutscher gedeutet werden konnten, schlug der Bremer Franz Christoph gleich zweimal zu. Unter dem Motto „Jedem Krüppel einen Knüppel“ setzten Behinderte spektakuläre Aktionen in Gang, die auf ihre gesellschaftliche Herabsetzung aufmerksam machten. Selbstbewusst nahmen sie das Wort „Krüppelbewegung“ für sich in Anspruch.

OLPC – One Laptop per Child

Sinnvoll ausgerüstet: Ob in Ruanda oder Uruguay – pfefferminzgrün leuchten diese Laptops in Kinderhänden. Sie sind vielseitiges Lernwerkzeug und erleichtern den Zugang zu modernem Wissen. Eigens für den Gebrauch in den Ländern des Südens hergestellt, sorgen ihre „Hasenohren“ als Antennen für Reichweite. Das Display ist bei Sonnenlicht lesbar. Gibt es keinen Strom, liefert ein Dynamo mechanisch Energie.

Straßenkinder

Den Alltag vergessen: Sie schlafen auf Gehsteigen und betteln. Kleisterschnüffeln hilft ihnen, Hunger und Ängste zu betäuben. Nur wenigen Kindern, die ständig auf der Straße leben, gelingt es ohne Hilfe, wieder sozialen Anschluss zu finden. In Brasilien gründeten Straßenkinder Ende der 1980er Jahre eine nationale Bewegung, die heute von den Behörden als Gesprächspartner zu Kinderrechten anerkannt wird.

Migration

Rund 214 Millionen Menschen haben derzeit dauerhaft ihre Heimat verlassen. Krieg, politische Verfolgung, Naturkatastrophen aber auch die Aussicht auf ein wirtschaftlich erfolgreicheres Leben sind die Motivation. Doch Migration ist kein neues Phänomen. Schon immer prägten Wanderungen die Geschichte. Anders als in der Vergangenheit steigt heute allerdings die Zahl derer, die mehrfach neu beginnen. Mag Auswanderung für den Einzelnen neben Vorteilen auch Nachteile bedeuten, eine globalisierte Wirtschaft profitiert vom Fachwissen der Migranten. Und auch deren Heimatländer gewinnen - etwa via Geldüberweisungen an die Familie zu Hause.

Reproduktion eines Fotos von 1970

Trennungserfahrungen: „Meine zwei Töchter waren 14 Monate und drei Jahre alt, als ich nach Deutschland ging. Ich habe sie bei meinen Eltern gelassen. Doch ich habe sie so sehr vermisst. Das kann keiner verstehen, der keine eigenen Kinder hat. Meine Eltern haben mir in der Zeit dieses Foto geschickt. Zwei Jahre später habe ich die Kinder nachgeholt“, erzählt eine Migrantin aus der Türkei.

Sand und Muscheln

Orbitello, Italien, 2010

Persönliche Erinnerungen: Diesen Sand und die Muscheln hat eine italienische Migrantin nach Bremen mitgebracht. „Der Sand stammt von einem Strand nahe meinem Heimatort in der südlichen Toskana. Ich bin gerne in der Sonne und vermisse den Blick auf das Meer, die Farben und das klare Wasser. Von Bremen ist es zum Meer ziemlich weit, außerdem ist es so anders, viel kälter und wegen der Gezeiten oft nicht da“, erzählt sie.

Bild von Alina

Klasse 9d, Schulzentrum Lehmhorster Straße, 2010

Verbindendes: Im Rahmen der Ausstellungsvorbereitungen haben sich Schüler aus Bremen-Lesum mit ihrer eigenen Identität und ihrem Leben in mehreren Kulturen auseinandergesetzt. Auf die Frage „Was ist meine Heimat?“ sind Bilder wie dieses von Alina entstanden. Sie spiegeln verschiedene Elemente ihrer kulturellen Spuren in Bremen, die beides zeigen: Heimat ist da, wo ich herkomme, und Heimat ist dort, wo ich mich wohlfühle.

Pop-Up von Betül

Jahrgang 9, Schulzentrum Schaumburger Straße, Bremen, 2010

Heimat im Plural: Wie prägt der multikulturelle Alltag das eigene Verständnis von Heimat? Das haben Bremer Jugendliche für die Ausstellung in Pop-Ups künstlerisch verarbeitet. „Mein Bild zeigt eine türkisch-deutsche Mischung. Man sieht auf der deutschen Seite die Flagge, meine Familie und meinen Lieblingsfisch, den Pangasius. Auf der türkischen finden sich zwitschernde Vögel, mein Armband, das ich schon seit der Geburt habe, und das Meer, das ich sehr liebe“, erklärt Betül.

Globen der Migration

Übersicht: Seit mehr als 100 000 Jahren sind Menschen auf der Suche nach neuen Lebensräumen gewandert. Immer wieder kam es zu ganzen „Auswanderungswellen“. Veranlasst wurden sie durch überaus unterschiedliche Faktoren: klimatische, wirtschaftliche und soziale. Auch verbesserte Transportmöglichkeiten waren Triebfeder der Migration. Diese Globen vermitteln auf anschauliche Weise, wer wann und wohin auswanderte.

Call-Shop

Fotos Veit Mette, 2010

Ein kleines Zuhause: Für viele Menschen ist der Call-Shop, der inzwischen weltweit und nicht nur in großen Städten zu finden ist, wichtiger Anlaufpunkt. Hier begegnen sich die Kulturen. Es wird nicht nur telefoniert und im Internet gesurft, sondern der Raum wird zu einem Stück Heimat in der Ferne. Per Internet kann man in der Muttersprache Nachrichten sehen oder Tageszeitungen lesen und bleibt so mit der Heimat in Kontakt.

Weltwirtschaft

Nach der Industrialisierung im 19. Jahrhundert nahm die Zahl internationaler Wirtschaftsbeziehungen rasch zu. Durch den Austausch von Gütern, Rohstoffen, Arbeitskräften, Kapital und Informationen entstand ein Weltmarkt, der bis heute täglich von Milliarden Menschen betrieben wird. Aus Kommunikation via Satellit und Internet sowie modernem Transportwesen ziehen international agierende Unternehmen Vorteile für ihren Wirtschaftsstandort „Welt“. Doch lokale Krisen können in diesem Netzwerk auch schnell zu globalen Krisen werden.

Mazda 3

Querschnitt liefert Erkenntnisse: Dieser Mazda 3, Baujahr 2007, kam als Transportschaden nach Bremerhaven. Auszubildende von AutoTec, einem Betriebsteil der Bremer Lagerhaus Gesellschaft, behoben den Schaden, zerteilten das Auto und verlagerten dessen gesamte Technik auf die linke Seite. Einblicke ins Innenleben vermitteln nun Wissenswertes zu den wichtigsten, weltweit hergestellten Einzelteilen, die ein Auto ausmachen.

Ausschnittsmodell Dubai

2011, Maßstab 1 :2000

Seit Dubai seine Erdöl-Milliarden in den planmäßigen Aufbau eines Zentrums für Handel, Finanzen und Tourismus steckt, entsteht in der Wüste am Persischen Golf als Sinnbild vom Märchen von 1001 Nacht eine Weltstadt der Glamour-Liga. Bauliche Weltrekorde nehmen kein Ende.

Entwurf für ein Niedrig-Einkommens-Wohnhaus in Dubai

Ausschnittsmodell 2011, Maßstab 1 : 200

Geteilte Welt: Hunderttausende von „Gastarbeitern“, die den Auf- und Ausbau Dubais vorantreiben, leben unter schwierigen Bedingungen in Gemeinschaftsunterkünften. Um weitere aufnehmen zu können, sind zweigeteilte Hochhäuser in Planung: Außen befinden sich Appartements mit Meerblick für die reiche Einwohner des Emirats, innen in einer Art Röhre – abgeschlossen und mit eigenen Zugängen versehen – die Wohneinheiten für Arbeitskräfte aus dem Ausland.

Siruells aus Mallorca

Funktionswandel: Siruells sind mallorquinische Ziergegenstände aus Keramik, die eine Pfeife beinhalten. Sie existierten bereits im 13. Jahrhundert und zeigen Wesen aus der Mythologie dieser Mittelmeerinsel. Früher versuchte man mit ihnen Geister abzuwehren. Ihre Pfeifen sollten die starken Winde auf der Insel bezwingen. Später wurden die Siruells zu Kinderspielzeugen.

Schlachte-Modell

Über 600 Jahre war die Schlachte der Uferhafen der Hansestadt Bremen. Mit dem Bau der neuen Überseehäfen im Stadtteil Walle, dem Anlegen großer Eisenbahnnetzwerke und der Mechanisierung des Güterumschlages wandelten sich auch die Größe der die Weser hinauffahrenden Schiffe und die Geschwindigkeit von Be- und Endladung. Die Veränderung der Transportfahrzeuge, die Einführung von Containern und der Einsatz von Großflugzeugen bedeuteten eine Revolution der bremischen Hafenwirtschaft.

Flamingo

Lebensgrundlage entzogen: Flamingos brauchen flache, salzhaltige Gewässer. Dort suchen sie nach kleinen Krebstieren, ihrer Hauptnahrung. Im Mittelmeerraum ist die Zahl der Flamingos stark zurückgegangen. Verantwortlich dafür ist der Mensch. Durch das Trockenlegen von Seen, der industriellen Salzgewinnung und der zunehmenden Bebauung freier Flächen, schränkte er den Lebensraum der Flamingos immer weiter ein.