Ich verglich das mit meinen Erfahrungen mit der Kulturindustrie – in meinem Fall als Herausgeber –, und ich bin zunehmend davon überzeugt, dass die Suche nach einer hieb- und stichfesten Lösung selbst ein Problem sein könnte. Nach meinen Gesprächen mit Ozeanien Digital habe ich den Eindruck, dass das Übersee-Museum den Raum für eine Arbeitsplatzkultur schafft, wo man sagen kann: „Wir wissen, dass etwas vor sich geht, aber wir wissen nicht genau, was da zu tun ist.“ Museumsdirektorin Wiebke Ahrndt formuliert es so:
„Ein entscheidender Teil des Prozesses war die Haltung, etwas anzufangen, ohne dass wir genau wussten, wohin uns das führen würde. Wir landeten bei Ozeanien Digital und waren für alle Möglichkeiten offen.“
Ein weiteres radikales Element des Projekts Blauer Kontinent war die Transparenz des Prozesses, und das ging so weit, dass der Prozess selbst zur Grundlage der Ausstellung wurde. Wie Etta sagt: „Die digitale Erfahrung wurde zu einer Ausstellung über das, was wir gelernt haben und über unseren Prozess, nicht aber zu einer Schau mit den Dingen, die wir über Ozeanien wissen.“
Bedeutet das, dass gute Absichten und Abenteuergeist ein Projekt von Anfang an reibungslos laufen lassen? Franziska Mucha, eine externe Museumsfachfrau, die schon früh zu dem Projekt stieß, erkannte, dass das Neue an der Ungewissheit, an der Entdeckungsreise, auch als abschreckend wahrgenommen werden konnte.