Tuaimoana studiert im ersten Jahr an der NUS. Sie liebt Flüsse. Sie lebt in der Nähe eines Flusses und hat in ihrem jungen Leben schon die Zunahme der Verschmutzung beobachtet, was sie traurig macht. Sie ist überzeugt, dass die Naturwissenschaft ihre Berufung ist. Sie unterscheidet sich von den anderen, weil die meisten Studierenden vorher kaum etwas über Flüsse wussten und sich auch nicht dafür interessierten.
Neben der ernsthaften Arbeit macht das Ganze auch Spaß. Eine Gruppe findet Zeit, um rasch ein TikTok-Video zu machen. Eine Gruppe wandert mit Käschern umher, sammelt Proben und gießt vergnügt Wasser aus ihrem Eimer in Plastiktüten. Audrey von vor ein paar Tagen ist fasziniert davon. Mitiana pflückt zwei oder drei Farne und flicht sie geschickt zu Kronen, und am Ende des Vormittags tragen die Meisten, ob Professoren, Studierende, Kameraleute, Wissenschaftler, Farnkronen. Ein skurriler Anklang von Mittsommernacht durchweht die Veranstaltung. Irgendwie wirkt es angemessen, schließlich ist das Übersee-Museum eine kulturelle Einrichtung. Kunst und Wissenschaft, Schönheit und Fakten.
Wo wir gerade dabei sind, können wir uns kurz daran erinnern warum ein Museum sich für Bürgerwissenschaft einsetzt. Kush drückt es sehr gut aus: „Wir wollen ihnen beim Umgang mit Werkzeug und Ausrüstung helfen und ein gewisses Niveau in der wissenschaftlichen Diskussion erreichen. Für das Museum ist das eine Art Öffentlichkeitsarbeit. Es genügt nicht immer, das Objekt zu zeigen und eine Geschichte zu erzählen; man muss rausgehen und es zum Leben erwecken. So erweitert sich die Rolle des Museums, und das im Museum gespeicherte Wissen wird in Echtzeit genutzt. Sonst würde es stagnieren.“ Und da es in Samoa keine Grundlagenerhebung zu Süßwasserarten gibt, hilft jedes kleine Bisschen.
„Hat euch irgendwas überrascht?“, frage ich die deutschen Wissenschaftler.
„Die Geschwindigkeit der Krabbe hat mich überrascht“, sagte Michael. Die Honigfresser flogen einen weiteren karminroten Bogen über unseren Farnköpfen, und es war gut, an einem sonnigen Tag in Samoa lebendig zu sein und über eilige Krustentiere nachzudenken.
(Aus dem Englischen übersetzt von Elisabeth Thielicke)