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Ozeanien

Lebenswelten in der Südsee

Pazifik soweit das Auge reicht, unzählige Inseln und die Landmasse Australien – das ist Ozeanien, auch Südsee genannt. Mit einer Ausstellung, die als fiktive Karte gestaltet ist, lädt das Übersee-Museum zur Erkundungstour auf diesen Kontinent ein. 18 Themen-Inseln gewähren Einblicke in die wechselvollen Beziehungen zwischen Mensch und Natur sowie den Alltag in Ozeanien – früher und heute.

Wer durch die Wasser- und Inselwelt der Ausstellung navigiert, entdeckt Artenvielfalt im Korallenriff oder die Tiefseeforschung. „An Land“ wartet Wissenswertes zu einer ganz anderen Bedeutung von „Familie“, zum Leben mit den Ahnen oder zu einer Hochzeit auf der Insel Manus. Eindrucksvolle Exponate machen deutlich, welche Beziehungen die Menschen Ozeaniens miteinander oder mit Bewohnern anderer Kontinente pflegen. Sie erzählen auch aus der Kolonialzeit sowie von Handelswegen zwischen Bremen und Ozeanien.

Wir danken unseren Förderern

Wege nach Ozeanien

1884 gründete das Deutsche Reich erste Kolonien in Ozeanien. Der Anbau von Kokos- und Ölpalmen, der Handel mit Paradiesvogelfedern sowie der Phosphatabbau versprachen wirtschaftliche Gewinne. Eine entscheidende Voraussetzung für den Erfolg waren Postdampferverbindungen in die Kolonien. Mit dem Ersten Weltkrieg fanden diese jedoch ein Ende – ebenso wie die deutsche Kolonialverwaltung in Ozeanien.

Schreibtisch von Hugo Schauinsland

Bremen, Ende 19. Jahrhundert

Dieser Arbeitsplatz gehörte dem Gründungsdirektor des Übersee-Museums: Hugo Hermann Schauinsland (1857-1937). 40 Jahre lang lenkte der Zoologe die Geschicke des Hauses und prägte das Museum maßgeblich. Sein Ziel war der Aufbau einer möglichst breit gefächerten Sammlung, die das Übersee-Museum konkurrenzfähig machen und ihm einen Platz unter den wichtigsten Völker- und Naturkundemuseen Deutschlands sichern sollte.

Büste von H. H. Meier

20. Jahrhundert

Er öffnete Wege nach Übersee: Hermann Heinrich Meier gründete 1857 in Bremen den Norddeutschen Lloyd. Dieser nahm 1886 den Reichspostdampferdienst nach Ostasien und Australien auf und entwickelte sich in der Folgezeit zu einer der größten Reedereien der Welt. Mit dem Ausbau des Küstenverkehrsnetzes zwischen den ozeanischen Inseln schuf das Unternehmen eine wesentliche Grundlage für deren Kolonialisierung.

Bälge von Paradiesvögeln

Zierrat für die Damenhüte Europas: Im 19. Jahrhundert wurden Paradiesvogelfedern neben Kopra – dem getrockneten Fruchtfleisch der Kokosnuss – zum wichtigsten Exportgut Ozeaniens. Im Nordosten Neuguineas, ehemals Kaiser-Wilhelms-Land, war die Jagd auf Paradiesvögel jahrzehntelang ein einträgliches Geschäft. 1914 führte die deutsche Kolonialverwaltung jedoch Kontrollen ein, um die Tierbestände zu sichern.

Kiste mit Ethnographica

Kopfschmuck für Initianden (Bougainville, Papua Neuguinea), Tanzschild (Salomonen) und Blattschurz (Ost-Bougainville, Papua Neuguinea), Kopfschmuck (Neuirland, Papua Neuguinea)
Anfang 20. Jahrhundert

Auf den Routen des Norddeutschen Lloyd: Die Bestände des Übersee-Museums aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts sind eng mit der Geschichte dieser Reederei verbunden. Direktor Hugo Schauinsland und Ludwig Cohn, zoologischer Assistent, folgten auf ihren Sammelreisen zumeist deren Schifffahrtslinien. Auch Karl Nauer, Kapitän des Lloyd-Dampfers Sumatra, erwarb im Auftrag des Hauses Objekte in Ozeanien.

Brückenechse

„Lebende Fossilien“: Die Brückenechse ist die letzte Vertreterin der „Schnabelköpfe“ – Reptilien, die schon vor 200 Millionen Jahren existierten. Ihr heutiger Lebensraum beschränkt sich auf einige Inseln vor Neuseeland. Dort stehen Brückenechsen unter strengem Schutz der Regierung. Diese Vitrine wurde nach Angaben von Hugo Schauinsland gestaltet, der diese Tiere 1896 auf Stephens Island fing.

Stereofotos zur Phosphatverladung auf Angaur, 1910

Begehrter Düngerzusatz: Im 19. Jahrhundert verlangten Zuwächse in der europäischen Landwirtschaft nach vermehrtem Einsatz phosphathaltiger Düngemittel. 1908 – nach der Entdeckung von Phosphatvorkommen auf dem zu den Palau-Inseln gehörenden Eiland Angaur – wurde in Bremen die Deutsche Südseephosphat AG gegründet. Mit fast 90.000 Tonnen verschifften Phosphats erreichte deren Produktion 1913 ihren Höhepunkt.

Im Netz der Verwandtschaft

Verwandtschaft hat in Ozeanien eine große Bedeutung. Die Mitglieder einer „Gemeinschaft“ führen ihre Zusammengehörigkeit auf einen gemeinsamen Ahnen oder Ursprungsort zurück. Sichtbar werden diese verwandtschaftlich organisierten Gesellschaftsstrukturen etwa zu Tauschzeremonien im Rahmen einer Hochzeit. Die Beteiligten kommen darin Verpflichtungen nach und bestätigen so die soziale Ordnung.

Tasche

Admiralitätsinseln, Papua-Neuguinea, vor 1912

Hochzeitsgaben auf Manus: Wird auf dieser Insel geheiratet, schmücken Verwandte von Braut und Bräutigam die Braut. Dazu verwenden sie Kleidung und Schmuck, Taschen, wie die hier gezeigte oder Geldnoten. So ausgestattet, schreitet die Braut zum Gehöft des Bräutigams. Hier werden die Gaben der Brautseite an die Verwandten des Bräutigams verteilt – und umgekehrt.

Modell von Sago-Paketen

Grundnahrungsmittel auf Manus: Sagostärke wird aus dem Mark der Sagopalme gewonnen. Getrocknet dient sie als Mehl, etwa für Fladen. Dieses Modell zeigt Sagostärke in Blätter gehüllt und zu großen Bündeln geschnürt. Zum Transport werden diese paarweise über Stangen gehängt. Zu hunderten übergeben Verwandte der Braut solche Pakete anlässlich einer Hochzeit an die Verwandten des Bräutigams.

Kalkkalebasse

Admiralitätsinseln, Papua-Neuguinea, vor 1957

Zutat für Betelbissen: Bei ihrer Ankunft im Gehöft des Bräutigams trägt die Braut auch eine Kalebasse wie diese mit sich. Darin wird Kalk aufbewahrt, der zusammen mit Samen der Areca-Palme und Blättern des Betelpfeffers zu so genannten „Betelbissen“ mit leicht anregender Wirkung verarbeitet wird. Der Kalk wird mit einem Spatel aus dem Behälter entnommen.

Festschurz

Admiralitätsinseln, Papua-Neuguinea, um 1900

Wertvolle Kleidung: Um 1900 wurden solche Festschurze aus Samen, Federn, Tierhaaren, Glasperlen und geschliffenen Scheiben des Gehäuses der Kegelschnecke (Conus) gefertigt. Letztere sind auch als Schneckenschalengeld bekannt. Neben der Verwendung für einen Festschurz diente dieses zu Ketten aufgereiht ebenfalls als Gürtel oder Beinschmuck. Es gehörte zu den Gaben der Verwandten des Bräutigams an die der Braut.

Kokosnussöl-Behälter

Admiralitätsinseln, Papua-Neuguinea, um 1900

Edle Essenz: Kokosnussöl wurde früher zum Verfeinern von Speisen, zur Körperpflege oder für verschiedene Rituale eingesetzt. Es brauchte viel Zeit und Kraft, um es herzustellen. Anlässlich einer Hochzeit wurde das Öl in Behältern, die aus übermodellierten Kokosnüssen bestanden, überreicht. Wie auch das Schneckenschalen- oder Hundezahngeld gehörte es zu den Gaben, die Verwandte des Bräutigams machten.

Hundezahngeld

Admiralitätsinseln, Papua-Neuguinea, um 1900

Zähne von Bedeutung: Hundezahngeld gehört wie auch das Schneckenschalengeld oder Kokosnussöl zu den traditionellen Wertgegenständen, die Verwandte des Bräutigams an die Brautverwandten übergeben. Heute sieht man diese Dinge aber nur noch selten zur Hochzeit. Die nach wie vor wertvollen Eckzähne von Hunden sind mit feinen Ritzmustern versehen und durchbohrt. Sie werden heute an neue Schmuckstücke als Behang eingearbeitet.

Leben mit den Ahnen

In Ozeanien ist die Welt der Lebenden eng mit der Welt der Ahnen verknüpft. Ahnen sind im Diesseits stets gegenwärtig und ihr Einfluss ist überall zu erkennen. Die Lebenden haben ein zwiespältiges Verhältnis zu ihnen: Einerseits trauern sie um ihre Verstorbenen und ehren deren Andenken – andererseits fürchten sie die Ahnen, versuchen sie wohlwollend zu stimmen und schlechte Einflussnahme abzuwenden.

Hareiga-Maske

Baining, Neubritannien, Papua-Neuguinea, Anfang 20. Jahrhundert

Einsatz zum Tanz: Die Baining auf Neubritannien veranstalteten früher Initiationsfeiern und Feste zur Taroernte, in die sie auch Ahnen und Geistwesen einbanden. Teil der Festlichkeiten waren die Tagtänze – mit der Präsentation der Hareiga-Masken als Höhepunkt. Viele Männer waren nötig, um die Masken aufzurichten. Das letzte Fest, auf dem diese Masken beobachtet wurden, fand 1927 statt.

Malangan-Schnitzerei

Neuirland, Papua-Neuguinea, um 1900

Rechte vererben: Zum Gedenken an ihre Verstorbenen halten Bewohner der Insel Neuirland Malangan-Zeremonien ab. Die Hinterbliebenen lassen dazu spezielle Schnitzereien anfertigen. Durch deren Präsentation während der Zeremonie sowie eigens zu diesem Anlass gehaltene Reden werden Rechte eines Verstorbenen auf Lebende übertragen. Die Feierlichkeiten sind der Abschluss einer langen Trauerzeit.

Schlitztrommel

Sepik, Papua-Neuguinea, um 1900

Botschaften – auch aus dem Jenseits: Schlitztrommeln vom Ufer des Sepik in Papua Neuguinea werden vielfältig eingesetzt. Sie dienen als Musikinstrument oder zur Nachrichtenübermittlung. Bei Zeremonien gelten Trommelsignale zudem als „Stimmen der Ahnen“. Per Holzschlägel wird auf eine nahe dem Schlitz liegende Stelle der Seitenwand geschlagen und der Trommelkörper so in Schwingungen versetzt.

Maskenkostüm

Asmat, West-Papua, Indonesien, vor 1965

Übergang zwischen den Welten: Kostüme wie dieses tragen die Asmat im indonesischen Teil der Insel Neuguinea während ihrer jipae-Feste. Zu diesen Festen laden sie die Geistwesen Verstorbener ein, um sie in die Welt der Ahnen zu verabschieden. Um ihnen den Abschied zu erleichtern, schaffen die Lebenden mit Maskentänzen und Festessen eine fröhliche und friedvolle Atmosphäre.

Ahnenfigur

Admiralitätsinseln, Papua-Neuguinea,vor 1912

Ahn mit Charakter: Bewohner der Admiralitäts-Inseln glauben daran, dass Verstorbene zu Ahnen werden, die wie Lebende über eigene Persönlichkeiten verfügen. Zudem haben sie besondere Kräfte. In der Regel nutzen Ahnen – häufig wie hier als Figur dargestellt – diese Kräfte, um Nachfahren zu schützen. Behandeln diese sie jedoch respektlos und vernachlässigen ihre Pflichten ihnen gegenüber, so können sie auch schaden.

Figuren

Siar, Astrolabe-Bay, Papua-Neuguinea, um 1900

In Vergessenheit geraten: Solche Skulpturen verkörperten vermutlich Ahnen und standen verborgen im Inneren von Zeremonial- oder Männerhäusern. Sie waren Mittelpunkt von Zeremonien. Bereits um 1900 gab es an der Astrolabe-Bay Papua Neuguineas, dem Herkunftsort dieser Exponate, Figuren wie diese nicht mehr. Kolonialismus und Missionierung hatten zur Ablehnung einheimischer Lebensweisen geführt.

Ozeanien und "umzu"

Niemals isoliert: Die Bevölkerungsgruppen Ozeaniens tauschen sich bis heute stets aus. Auf ihren Wanderungen nahmen die Menschen Pflanzen, Materialen, Geräte sowie Kenntnisse über deren Verwendung und Bedeutung mit. Spuren dieser Einflüsse finden sich etwa in ihren vielfältigen künstlerischen Ausdrucksformen. Hier lassen sich regionale Besonderheiten, aber auch verbindende Elemente erkennen.

Plankenboot aus den Salomonen

Vella Lavella, New Georgia, Salomonen

Halt ohne einen einzigen Nagel: Boote wie diese wurden bis Ende des 19. Jahrhunderts auf Kriegszügen eingesetzt. Bis zu 30 Krieger fanden darin Platz. Der Bau eines solchen Gefährts dauerte Jahre – mit Steinwerkzeug bis zu neun, mit seitens der Europäer eingeführtem Werkzeug aus Eisen bis zu zwei Jahre. Die Planken hielt eine Verschnürung zusammen. Zwischenräume wurden mit einem Kitt abgedichtet.

Tanzschild

Bougainville, Salomonen, Anfang 20. Jahrhundert

Tanzutensilien für den Mann: Solche Schilde wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Süden der Insel Bougainville verwendet, die geographisch zu den Salomonen zählt. An dem gut sichtbaren, rechteckigen Griff konnte ein Tänzer den Schild halten. Erwachsene Männer tanzten mit diesen Schilden anlässlich von Initiations-Zeremonien, zu denen Jungen offiziell in die Gemeinschaft der Männer aufgenommen wurden.

Nelkenboot als Souvenir

Molukken (Maluku), Indonesien, um 1890

Besonderes Mitbringsel: Bis ins späte 18. Jahrhundert wuchsen Nelken und Muskatblüte oder -nuss nur auf den Molukken. Bereits lange bevor die Europäer diese Inselgruppe im 16. Jahrhundert entdeckten, handelten die Insulaner ihre Gewürze bereits mit Arabern, Chinesen, Malaien und Indern. Im 19. Jahrhundert wurden Modellboote wie dieses oder Körbe aus Nelken als Souvenir hergestellt und fanden so ihren Weg nach Europa.

Pritschenfüße

Mangon, Insel Lou, Admiralitätsinseln, Papua-Neuguinea, vor 1912

Gut gebettet: Solche Figuren oder auch stilisierte Fische dienten auf den Admiralitätsinseln um 1912 als Pritschenfüße. Sie wurden mittels Zapfen in den Rahmen einer Pritsche gesteckt. Deren vier Füße hatten zumeist einheitliche Motive. Auf Pritschen schliefen die Menschen – oder sie setzten sie zu Zeremonien ein. So wurde etwa anlässlich einer Hochzeit die Braut per Pritsche zum Haus des Bräutigams getragen.

Gewebte Matte

Karolinen

Aus Banane und Hibiskus: Früher wurde auf mehreren Inseln Mikronesiens gewebt. Die Menschen entwickelten jeweils eigene Webtraditionen, verwendeten aber die gleichen Pflanzenfasern. Mit der Ankunft von Walfängern, Händlern und Missionaren im 19. Jahrhundert setzte der Niedergang des Handwerks ein. Heute weben nur noch die Frauen der Außeninseln von Yap in den Westkarolinen.

korwar-Figur

Geelvink-Bay, West Papua, Indonesien, um 1900

Mittler zwischen den Welten: Korwar-Figuren stellen Ahnen dar, doch nicht nur das. Sie dienen auch der Verständigung zwischen den Lebenden und ihren Verstorbenen. Über die Figur wird ein Ahn um Rat und Hilfe gebeten. Darüber hinaus erreichen ihn über die korwar-Figur verschiedene Opfergaben der Lebenden. Dieses Exemplar aus dem indonesischen Teil der Insel Neuguinea ist auf etwa 1900 datiert.

Tiefsee - ferner als der Mond

Tatsächlich weiß der Mensch bis heute mehr über den Mond als über die Tiefsee – die lichtlosen Bereiche der Meere ab 300 Meter Tiefe. Aufgrund der dort herrschenden Druckverhältnisse sind sie für Menschen unzugänglich. Und doch belegten Forschungen bereits im Jahr 1858, dass auch in der Tiefsee eine Vielzahl von Organismen lebt. Sie sind angewiesen auf Nahrung, die von oben herabrieselt.

Tiefsee-Lander

Bremen 2003
Leihgabe Max Planck Institut für Marine Mikrobiologie, Bremen

Unbemannt auf Forschungsreise: Dieser Tiefsee-Lander wird für Arbeiten in bis zu 6.000 Metern Tiefe eingesetzt. Er ist so programmiert, dass er auf den Meeresboden absinkt, hier Messungen durchführt und nach einem akustischen Signal vom Mutterschiff auftaucht. Der untere Teil der Konstruktion birgt eine Batterie, die Steuerungseinheit und Messinstrumente. Die gelben Behälter oben dienen als Auftriebskörper.

Sedimentfalle

Bremen 2003
Leihgabe GEOMAR Kiel

Information von oben: Eine Sedimentfalle fängt Partikel auf, die von der Meeresoberfläche absinken. Sie wird per Seil in gewünschter Meerestiefe platziert und mit Hilfe eines Gewichtes am Meeresboden verankert. Über einen Trichter rieseln verschiedene Stoffe in die Acrylglasröhren der Falle. Da diese automatisch gewechselt werden können, können Forscher verfolgen, welche Partikel wann und wie schnell sinken.

Schwarzer Raucher

Fundort: Nord Fiji Becken, Pazifik, 2.000 m Tiefe, 1998
Leihgabe des Mineralogischen Instituts der Freien Universität Berlin

Hotspot am Meeresboden: Erst 1977 wurde im Pazifik das Phänomen der sogenannten Schwarzen Raucher entdeckt. Unter bestimmten geologischen Gegebenheiten entströmt ihrem Inneren eine etwa 300°C heiße Flüssigkeit. Dabei werden metallische Schwefelverbindungen gelöst, die für die meisten Organismen giftig sind. Dennoch entfaltet sich rund um die Schwarzen Raucher eine spezielle, artenreiche Tierwelt.

Kaperwal

Pazifik, Südpolarmeer

Futter für Viele: Die Nahrung der meisten Tiefseebewohner stammt aus den oberen Schichten des Meeres. Filtrierer sammeln kleine Nahrungsteilchen aus der Strömung. Sedimentfresser nehmen ihren Anteil vom Boden auf. Aasfresser erspüren ihre Nahrung über chemische Sinne. Von dem auf den Meeresboden gesunkenen Kadaver eines Kaperwals wie diesem, dessen Knochen hier zu sehen sind, profitieren letztendlich alle

Riesenflohkrebs

Der Größte unter seinesgleichen: Marine Flohkrebse kommen weltweit vor, so auch Eurythenes gryllus. Er misst 7 cm und lebt in der Nähe des Meeresbodens – als Aasfresser. Hier schwebt er reglos und verbraucht so nur wenig Energie. Er wartet, bis er den Geruch verwesender Tierleichen wahrnimmt. Ist ein Kadaver entdeckt, können Riesenflohkrebse innerhalb kurzer Zeit große Mengen an Aas verzehren.

Walbarte

Zahnersatz der etwas anderen Art: Einige Walarten tragen im Oberkiefer statt Zähnen eine große Anzahl solcher Barten in dichten Reihen. Diese funktionieren wie ein Fischernetz, in dem die Beute hängen bleibt, wenn der Wal mit offenem Maul schwimmt. Dabei kann es sich um Schwärme von kleinen Krebsen, Fischen, Tintenfischen oder auch um Plankton handeln.

Leben im Korallenriff

Korallenriffe zählen zu den Lebensräumen mit größter Artenvielfalt. Mehr noch: Sie übernehmen wichtige Funktionen für den Küstenschutz tropischer Inseln sowie für die Versorgung der örtlichen Bevölkerung mit Nahrung. Anhand einzelner Szenen aus dem Riff lässt sich gut erkennen, welche Bedeutung dem Zusammenspiel unterschiedlicher Organismen bei Aufbau und Erhaltung dieses wichtigen Ökosystems zukommt.

Hirnkoralle

Zugewinngemeinschaft: Steinkorallen wie diese hier sind nachtaktive Tiere. Sie leben in einer symbiotischen Beziehung mit winzigen Algen. Diese versorgen die Koralle mit Nährstoffen und genießen dafür ihren Schutz. Steinkorallen bilden große Kolonien, die nur langsam wachsen und mehrere hundert Jahre alt werden können. Da das Muster auf ihrer Oberfläche an ein Gehirn erinnert, heißen sie auch Hirnkorallen.

Kugelkopf-Papageifisch

Baustofflieferant: Papageifische leben in tropischen Meeren meist in Korallenriffen. Sie ernähren sich von Algen und Korallen. Beim „Abgrasen“ eines Riffes zermahlen sie mit ihren kräftigen Zähnen lebende und abgestorbene Korallen. Dieses Korallenmaterial wird wieder ausgeschieden und trägt zur Verdichtung des Riffes bei. Es verfüllt Spalten und Klüfte und wirkt daher stabilisierend.

Dunkler Riesenzackenbarsch

Fleischfresser mit eigenem Revier: Der dunkle Riesenzackenbarsch stammt aus dem Indopazifik. Mit einer Länge von bis zu drei Metern und einem Gewicht von bis zu 400 Kilogramm ist er der größte in Korallenriffen lebende Knochenfisch. Der Einzelgänger bewohnt Höhlen und ernährt sich von Krebstieren oder Fischen. Auch junge Meeresschildkröten und kleine Haie stehen auf seiner Speisekarte.

Diadem-Seeigel

Schutz in der Gruppe: Auch Diadem-Seeigel leben im Indopazifik. Hier halten sie sich bevorzugt in der Nähe von Felsen oder Korallenriffen in einer Tiefe von bis zu 30 Metern auf. Tagsüber verstecken sie sich in Höhlen und Spalten, oder: Sie drängen sich zum Schutz vor Fressfeinden eng aneinander. So bilden sie einen undurchdringlichen Stachelwald. Erst des Nachts gehen sie auf Nahrungssuche und weiden Algen.

Dreibinden-Preußenfisch

Verlustängste: Preußenfischarten wie diese bewohnen in kleinen Gruppen einzelne Zweigkorallen-Kolonien im Pazifik. Selbst bei der Suche nach kleinen Nahrungspartikeln entfernen sie sich nur selten weiter als einen Meter von „ihrem“ Korallenstock. Die Bindung an ihn ist so groß, dass sie sich sogar im Geäst einzuklemmen versuchen, wenn die Koralle – etwa für ein Experiment – aus dem Wasser gehoben wird.

Orange-Ringel-Anemonenfisch

Wie Du mir – so ich Dir: Anemonenfische leben in enger Schutzgemeinschaft mit Seeanemonen. Diese schützen die Anemonenfische mit ihren nesselnden Tentakeln vor Fressfeinden. Im Gegenzug verjagen die Anemonenfische mögliche Fressfeinde der Seeanemonen. Übrigens: Die Fische werden von „ihrer“ Seeanemone als „Freund“ erkannt, da sie deren Geruchsstoffe nach und nach in ihre Schleimschicht aufnehmen.