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Übermaxx

Das Schaumagazin

Das Erste in Europa: Nach dem Museum of Anthroplogy in Vancouver eröffnete das Übersee-Museum 1999 als erstes europäisches Museum ein Schaumagazin. Es befindet sich im selben Gebäude wie das benachbarte Kino Cinemaxx. Das Schaumagazin „Übermaxx“ beherbergt einen Großteil der 1,2 Millionen Objekte des Museums. Auf mehreren Etagen findet sich hier Alltägliches wie Kurioses – vom Fischhautanorak und dem flugunfähigen Papagei Kakapo bis hin zum Tafelsilber des Norddeutschen Lloyd oder einem Zweifingerfaultier.

Seit 2008 ist das Schaumagazin des Museums über die Waldemar Koch Brücke direkt vom Hauptgebäude aus zugänglich. Themenrundgänge und ein interaktives Suchspiel für Kinder leiten durch die Vielfalt der Exponate, die hier entsprechend der Sachgebiete Völker-, Natur- und Handelskunde geordnet und aufgestellt sind.

Völkerkunde – fremde Kulturen entdecken

20.000 Exponate spiegeln im Schaumagazin Fülle und Verschiedenartigkeit der völkerkundlichen Bestände des Übersee-Museums. Thematisch oder regional geordnet warten bedeutende Sammlungen zu Asien, Afrika, Amerika oder Ozeanien darauf, entdeckt zu werden – darunter Seltenes wie Grabbeigaben großer Dynastien des alten China oder archäologische Funde von der Seidenstraße und vieles mehr.

Schuhe aus Japan

Gut vertreten: Schuhe zählt die Asien-Sammlung des Museums viele. Hier fällt der Blick auf japanische Stücke aus dem 19. Jahrhundert. Neben Zehensandalen aus Stroh (zōri) sind aus Holz gefertigte Sandalen auf zwei Querstegen (geta) zu sehen, die in Städten vor dem Staub und Schmutz der Straßen schützten. Besonders hohe Modelle mit einer übergestülpten Kappe aus Leder trugen Frauen bei Regen.

Porzellan aus China

Vor der Entstehung des blauweißen Porzellans in der Yuan-Zeit (1271-1368) machten die Seladone, hellgrün glasiertes Steinzeug, neben Seide einen Großteil der aus China exportierten Luxusgüter aus. Sie wurden bereits im gesamten südostasiatischen Raum und bis nach Arabien und Ostafrika ausgeführt. In der Ming-Zeit (1368-1644) trat blauweißes Porzellan aus China seinen Siegeszug in die Welt an.

Stühle aus dem Kameruner Grasland

Zeichen von Status und Würde: Im Kameruner Grasland zeugten Ausstattung, Größe und Verzierung eines Sitzes von der sozialen Stellung des Besitzers. An königlichen Höfen blieben Stühle mit besonderer Ausstattung dem König und dessen Mutter vorbehalten. Weniger wertvolle Exemplare wurden Gästen angeboten. Wer sich unerlaubt auf einen königlichen Stuhl setzte, beleidigte den Herrscher.

Zapotekische Figuren

Götter am Grab: In der heutigen Ruinenstadt Monte Albán in Mexiko stellten die dort lebenden Zapoteken in der vorspanischen Zeit Gefäße mit Götterdarstellungen an die Grabeingänge wichtiger Personen. Von diesen „Bildurnen“ besitzt das Übersee-Museum mehrere. Gemeinsam ist ihnen der prächtige Kopfputz.

Figurinen eines Prärie-Indianerpaars

Romantische Vorstellungen: Diese Figuren zeigen, wie sich die Menschen der westlichen Welt seit 100 Jahren „typische Indianer“ vorstellen. Als solches haben die Darstellungen historischen Wert. Die Gesichtszüge sind Schwarz-Weiß-Fotografien berühmter Indianer nachempfunden. Einiges spricht dafür, dass die Häuptlingsfigur des Übersee-Museums nach einem Porträt Sitting Bulls gefertigt wurde.

Ahnenfiguren aus Neuguinea

In Europa beliebt: In den alten Sammlungslisten des Übersee-Museums werden diese Schnitzwerke als Ahnenfiguren bezeichnet. Verlässliche Angaben zur Bedeutung und Verwendung dieser Objekte fehlen zumeist. Manche mögen an einen mythischen Clangründer, andere an bekannte Verstorbene erinnern. Ihr Herstellungsort ist oft unbekannt, da diese bei Europäern um 1900 sehr begehrten Schnitzereien überregional gehandelt wurden.

Naturkunde – Tiere, Pilze und Pflanzen aus aller Welt

Ob Vögel oder Insekten, ein Sumatra-Tiger und mehr – die naturkundliche Abteilung des Schaumagazins ermöglicht die Begegnung mit rund 10.000 eindrucksvollen Präparaten. Über 400 vertikale Herbar-Schuber gewähren Einblicke in die Welt der Pflanzen, von Rotalgen bis Orchideen. 30 Schubladen öffnen Wege ins Reich der Pilze. All diese Zeugen der Evolution sind gemäß moderner biologischer Systematik geordnet.

Insekten

Die Meisten unter Vielen: Insekten sind die artenreichste Tiergruppe weltweit. Mehr als 80 Prozent der bekannten Arten gehören zu ihnen. Mit Ausnahme der Ozeane sind sie in allen Lebensräumen der Erde zu Hause. Auch in den Sammlungen des Museums bilden Insekten die mit Abstand größte Tiergruppe. Das Schaumagazin zeigt Beispiele aller im Haus vertretenen Ordnungen von Schaben bis zu Schmetterlingen.

Schlangen

Vierbeinige Vorfahren: Im Skelett von Riesenschlangen finden sich tatsächlich Hinweise auf Gliedmaßen. Einiges weist darauf hin, dass Echsen zu ihren Ahnen zählen. Fossilfunde lassen den Schluss zu, dass die Beinlosigkeit von Schlangen durch ein Leben im Wasser oder unter der Erde begünstigt wurde. Das Schaumagazin zeigt Schlangen wie Echsen und ermöglicht so den Vergleich.

Fische

Artenreich: Fische sind die artenreichste Gruppe der Wirbeltiere. In den Gewässern der Erde besiedeln sie verschiedene Lebensräume und haben sich in Körperbau und Verhalten den Gegebenheiten vor Ort angepasst. Das Schaumagazin zeigt nicht nur typische Vertreter wie Heringe, sondern auch abgewandelte Formen wie Plattfische oder Seepferdchen.

Vögel

Die letzten Dinosaurier: Vögel stammen direkt von den Dinosauriern ab. Damit gehören sie nicht nur zu den letzten lebenden Vertretern dieser Tiergruppe, sondern werden zoologisch sogar den Reptilien zugeordnet. Nach heutigen Erkenntnissen kann die Entwicklung aller heutigen Vogelarten auf einen gemeinsamen Vorfahr zurückgeführt werden. Deshalb bilden Vögel eine geschlossene Tiergruppe.

Pilze und Pflanzen

Pilz + Alge = Flechte: Das Herbar des Magazins beherbergt Algen, Moose, Farne und Samenpflanzen – also Pflanzen, die Samen zur Ausbreitung nutzen. Zudem werden hier Pilze aufbewahrt, Organismen, die sich nicht via Photosynthese ernähren, sondern dazu organisches Material verarbeiten. Einen Sonderfall sind Flechten. Für sie haben Organismen zweier Gruppen eine Lebensgemeinschaft gebildet: Pilze und Algen.

Säugetiere

Reptilien mit Vorteil: Säugetiere gehen aus einer Verwandtschaftslinie der Reptilien hervor, die sich schon sehr früh von diesen trennte. Neben dem Fell zeichnen Säugetiere sich durch Hautdrüsen aus. Dazu gehören auch Milchdrüsen, mit denen sie ihre Jungtiere selbst unter schwierigen Umweltbedingungen energiereich und ausgewogen ernähren können.

Handelskunde – Bremens Beziehungen nach Übersee

Das Übersee-Museum und die Bremer Kaufmannschaft pflegen eine besondere Beziehung. Bis heute unterstützen Unternehmen aus Bremen das Museum, zum Beispiel durch Schenkungen. Der 1857 gegründete Norddeutsche Lloyd etwa transportierte viele Exponate kostenlos. So fanden zahlreiche Zeugen hanseatischer Wirtschaftsgeschichte ihren Weg ins Museum – und später ins Übermaxx.

Schiffsmodelle

Auf dem Wasser: Eine breite Auswahl an Schiffsmodellen aus aller Welt ermöglicht spannende Vergleiche. Unterschiede in der Bauweise verschiedener Schiffstypen zeigen genauso Entwicklungen auf wie die Menge und Art von Gütern, die auf Flüssen und Ozeanen transportiert wurden oder werden. Vom Ruder über Segel bis zum Motor reichen die Veränderungen – vom Stückgut bis zum modernen Containerumschlag.

Kakao

Tropisches Handelsgut: Seit dem 18. Jahrhundert wird in Bremen Kakao gehandelt. Per Schiff fand dieses Genussmittel seinen Weg in die Stadt, in der im 19. Jahrhundert kakaoverarbeitende Schokoladenfabriken entstanden. Zunächst noch Luxusgut, eroberte die Schokolade ab dem 20. Jahrhundert größere Verbraucherkreise. Mit der Chocolade Manufaktur „Hachez“ wurde 2012 die letzte Bremer Schokoladenfabrik an einen dänischen Süßwarenkonzern verkauft.

Kaffee

Kaffeestadt: 1673 öffnete in Bremen eine erste Kaffeestube. Ende des 19. Jahrhunderts wandelte sich Kaffee vom Luxus- zum Volksgetränk. Immer mehr Röster und Versender siedelten sich an. Jacobs-, Eduscho-, Ronning-, Klippskaffee und viele mehr machten Bremen zu einer „Kaffeestadt“, in der bis heute eine Reihe großer kaffeeverarbeitender Unternehmen zu Hause sind.

Tabak und Zigaretten

Blauer Dunst: Infolge exklusiver Handelsverbindungen in die USA wurde Bremen im 19. Jahrhundert zum größten europäischen Umschlagsort für Tabakblätter. Eine Reihe importierender und verarbeitender Betriebe entstanden. Die Firma Martin Brinkmann AG entwickelte sich hier zur größten Rauchtabakfabrik Deutschlands. Heute gehören ihre Anteile British American Tobacco (BAT).

Geschirr Norddeutscher Lloyd

Beliebte Sammlerstücke: Der „Norddeutsche Lloyd“ (NdL) gehört mittlerweile zu den großen Legenden der bremischen Handelsgeschichte. Beliebte Sammlerstücke – darunter Bestecke, Geschirre oder Speisekarten von Schiffsgenerationen aus rund 120 Jahren – erzielen hohe Liebhaberpreise. In den Dekors spezieller Geschirre und Bestecke lassen sich die unterschiedlichen Epochen dieser Reederei ablesen.

Norddeutscher Lloyd (1857-1970)

Fusion unumgänglich: 1857 wurde der „Norddeutsche Lloyd“ (NdL) als Fracht- und Passagierreederei von Bremer Kaufleuten gegründet. Lange sorgte das Auswanderungsgeschäft nach Nordamerika für Gewinne. Totalverluste als Folge zweier Weltkriege konnten zwar ausgeglichen werden, doch die Umstellung auf den Containerverkehr erzwang 1970 die Fusion mit der Hamburg Hapag zur Hapag-Lloyd AG mit Sitz in Hamburg.